Die Fahrkarten, bitte!
Nele und Berkan erzählen von ihrer Arbeit als Kontrollpersonal in den Zügen der S-Bahn.
Nie alleine unterwegs
Hin und wieder werden Nele und Berkan in der S-Bahn erkannt. Das merken die beiden daran, dass Fahrgäste ihnen ungefragt ihre Fahrausweise zeigen. „Dann sagen wir, dass wir noch nicht im Dienst sind oder schon Feierabend haben“, erzählt Nele lachend.
Die 29-Jährige und der 31-Jährige sind als Fahrkartenprüfer:innen in den Zügen der S-Bahn Berlin unterwegs. Das Unternehmen beauftragt damit einen externen Dienstleister, bei dem Nele und Berkan angestellt sind.
Job bietet viel Flexibelität
Er hat vor sechs Monaten mit dem Job begonnen, war vorher für die DB Sicherheit tätig. „Dort habe ich ein paar Prüfer und Prüferinnen kennengelernt, mich mit ihnen ausgetauscht – und mich schließlich beworben.“ An der neuen Arbeit schätze er vor allem, dass er flexibel arbeiten und selbstständig seinen Job machen könne.
Das sieht Nele ähnlich. „Die Flexibilität durch die Gleitzeitregelung ist ein wichtiger Punkt“, sagt sie. „Dank unseres neuen Systems, das auf Daten aus Fahrkartenprüfungen basiert, bekommen wir passende Streckenabschnitte für unsere Einsätze vorgeschlagen. Dabei berücksichtigt das System unter anderem, wo bereits Fahrausweise geprüft wurden oder wo es aktuell Störungen gibt. So möchten wir vermeiden, dass Fahrgäste kurz hintereinander mehrfach kontrolliert werden. Dadurch sind wir auf vielen unterschiedlichen Strecken in ganz Berlin unterwegs. Das macht unsere Arbeit abwechslungsreicher.“
Die Berlinerin arbeitet seit März 2023 als Prüferin, war vorher bei einem Sicherheitsdienst angestellt. „Dorthin konnte ich nach meiner Schwangerschaft nicht zurück und bin dann auf das Jobangebot meiner jetzigen Firma aufmerksam geworden.“
Konflikte sind leider vorprogrammiert
Was die Akzeptanz und das Verständnis der Fahrgäste für die Kontrollen angeht, habe sie in der Vergangenheit unterschiedliche Erfahrungen gemacht, erzählt Nele.
Die Konflikte mit den Fahrgästen sind auch das Einzige, was Nele und Berkan an ihrem Job stört – da sind sie sich einig. „Wenn jemand keinen Fahrschein hat oder die Züge verspätet sind und man uns dafür die Schuld gibt“, sagt Nele. „Wir sind eben der erste Ansprechpartner.“
Auch gebe es hin und wieder Diskussionen mit Fahrgästen, die die Prüfer:innen für Betrüger:innen halten. „Die wollen dann unsere Ausweise abfotografieren“, erzählt Berkan. Das sei aber nicht die Regel und es gebe durchaus auch schöne Erlebnisse.
Ticktes bereit halten hilft
Im Übrigen kann jede:r zu einem möglichst reibungslosen Ablauf der Kontrolle beitragen. „Wenn man den Fahrausweis schon parat hat und nicht erst in der Tasche suchen muss, geht es schneller“, weiß der Berliner.
Schneller zahlen mit „Tap2Pay“
Sie und ihre Kolleg:innen sind seit September 2026 mit einer neuen Software unterwegs. Damit haben Fahrgäste die Möglichkeit, das erhöhte Beförderungsentgelt (EBE) direkt am Prüfgerät (Smartphone) zu bezahlen. Das Verfahren nennt sich „Tap2Pay“.
Und falls jemand trotzdem nicht gleich bezahlen will, gebe es auch dafür eine Lösung, sagt Berkan.
„Dann nehmen wir die Daten auf und stellen einen EBE-Beleg aus. Alles Weitere kann der Fahrgast über den QR-Code auf dem Beleg oder im Kundenbüro der S-Bahn am Ostbahnhof klären. Dort kann auch bar bezahlt werden. Bei uns geht nur Kartenzahlung, wir dürfen kein Bargeld annehmen.“
EBE-Beleg bekommen?
Im EBE-Portal Ticket nachträglich vorzeigen oder erhöhtes Beförderungsentgelt bezahlen.
Dickes Fell vonnöten
Trotz einzelner Konflikte mit Fahrgästen, machen Nele und Berkan ihren Job gerne. Beide wünschen sich aber, dass auch der Mensch hinter den Prüfer:innen gesehen wird. „Man braucht schon ein dickes Fell“, sagt Nele lachend. „Und sehr, sehr viel Geduld“, ergänzt Berkan.
Die beiden sind nicht nur im Job ein gutes Team, sondern auch privat. Als Ausgleich verbringt das Paar gerne Zeit mit Neles Sohn oder lässt die Ereignisse des Tages beim Zocken hinter sich. „Unser gemeinsames Hobby sind Videospiele“, verrät Nele zum Abschluss.
So werden die Prüfer:innen für den Job qualifiziert
- Neue Prüfer:innen bekommen eine Schulung, in der sie zum Beispiel die Tarife lernen.
- Für die Tätigkeit im Auftrag der S-Bahn Berlin ist außerdem die IHK-Sachkundeprüfung nach § 34a der Gewerbeordnung erforderlich. Diese wird häufig auch als „34a-Schein“ bezeichnet.
- Wer mit dem Job anfängt, muss ein ein Deeskalationstraining absolvieren. Das wird jährlich aufgefrischt.





