Fahrzeuge

So kommt der Fußboden in die S-Bahn

Was den Fahrgästen zu Füßen liegt... ist komplex einzubauen. Ein Werkstattbesuch.

Das Projekt Langlebigkeit macht die Züge der Baureihe 481 fit für die nächsten zehn Jahre. Dabei werden Arbeiten erledigt, die vorher nicht zur Instandhaltung gehörten – unter anderem der Einbau eines neuen Fußbodens. Ein überraschend komplexer Prozess.

Patrick Montag zeigt den Bodenbelag, der pro Zug verlegt wird.
Patrick Montag zeigt den Bodenbelag, der pro Zug verlegt wird.

Patrick Montag eilt durch die Halle im Werk Schöneweide (B37), er ist auf dem Weg zum Montageband, genau genommen dem sogenannten Band B. „Hier findet der Einbau des Fußbodens statt, diese Arbeit ist Teil der Montage, die wiederum zum Bereich Design gehört“, erklärt er.

Ein Team mit vielen neuen Gesichtern

Die Teilstücke aus Linoleum werden in Planlage gebracht.
Die Teilstücke aus Linoleum werden in Planlage gebracht.

Meisterin des Bereichs Design ist Martina Kleiner, Montag ist die Meistervertretung. Die beiden kennen jeden aus dem Montageteam: zwei Frauen und 45 Männer. 80 Prozent von ihnen sind neu an Bord, erst im Rahmen des Projekts Langlebigkeit hinzugekommen. „Alle, die hier anfangen, werden eigens eingearbeitet, weil die Aufgaben sehr speziell sind. Jeder Handgriff muss sitzen, und teilweise sind sie individuell auf die zum Teil über 20 Jahre alten Fahrzeuge anzupassen, daher heißt es nun ,learning on the job‘, beispielsweise beim Einbau von Haltestangen. Für die Vielzahl der verschiedenen Aufgaben besteht das Instandhaltungsteam aus Tischler:innen, Schlosser: innen und Schreiner:innen, sogar Triebfahrzeugführer:innen und ein Flugzeugmechaniker sind dabei“, fährt Montag fort.

Wissen wird weitergegeben

Das Linoleum wird auf die Kastenform genau zugeschnitten.
Das Linoleum wird auf die Kastenform genau zugeschnitten.

Er bleibt vor einem Wagenkasten stehen, der bereits auf den Einbaustand gehoben ist. "Der Linoleum-Fußboden war zu Beginn des Projekts ein großes Thema. Heutzutage dauert der Einbau zweieinhalb Tage, letztes Jahr brauchten wir noch fast doppelt so lange. Der Grund: Das Fahrzeug wurde nie zerlegt, und mit der im Projekt üblichen kompletten Entkernung stand das Team vor der Aufgabe, sich anhand von Bauzeichnungen und dem Wissen der älteren Kolleg:innen orientieren zu müssen. Auf diese Weise fand ein Wissenstransfer statt, wie der Boden aufzubauen ist."

Ganz schön böckig

Nun zeigt Montag auf ein Meer schwarzer Rechtecke aus Gummi, die im Zug auf dem Boden wahllos verteilt scheinen. „Es musste eigens ein System entwickelt werden, wie die Böcke liegen müssen.“ Die Böcke, das sind Aluprofile, auf denen die schwarzen Gummiauflagen befestigt werden. Sie dienen dem Ausgleich des Bodens, der schwimmend verlegt wird. „Inzwischen sind die Methoden nicht nur schneller und einfacher, sondern auch genauer geworden. Die eingekehrte Routine in den Abläufen hat den Prozess zusätzlich beschleunigt“, ergänzt er.

Die exakte Positionen der Gummiauflagen werden mit langen Richtscheiden ausgemessen.
Die exakte Positionen der Gummiauflagen werden mit langen Richtscheiden ausgemessen.

Die Krux mit den Schrauben

Circa 480 Schrauben werden in der Demontage pro Boden entfernt, diese müssen nun wieder eingeschraubt werden. Es gibt einen Verlegungsplan, der zeigt, an welche Stelle die Gummiauflagen auf den Schienen geschoben werden müssen. Sie werden mit langen Richtscheiden ausgemessen, an den Einstiegen werden die Höhen exakt festgelegt. Als erster Schritt wird der Holzfußboden im Mittelbereich verschraubt, der Rest verklebt. Im Anschluss wird gespachtelt und geschliffen.

Im Führerraum wird vor dem nächsten Schritt genau Maß genommen.
Im Führerraum wird vor dem nächsten Schritt genau Maß genommen.

Unscheinbar praktisch

Nun klopft Montag auf drei unscheinbare Rollen, in Folien eingeschweißt. „Dieser Gummiboden macht es uns einfach, er ist selbstklebend. Bevor er verlegt wird, ist aber noch eine gründliche Reinigung nötig. Der Boden wird in Teilstücken verarbeitet, hier eine komplette Bahn auszurollen, ist nicht möglich. Im Anschluss werden sowohl der Rand zu den Wänden und Türen als auch die Nähte zwischen den Teilstücken mit Silikon abgedichtet. Nach der Trocknungszeit ist der Boden fertig, und der nächste Schritt des Innenausbaus kann beginnen.“

Alle, die hier anfangen, werden eigens eingearbeitet, weil die Aufgaben sehr speziell sind.

Patrick Montag Meistervertretung des Bereichs Design bei der S-Bahn Berlin

Nächste Haltestelle: Türenwerkstatt

Patrick Montag kehrt ins Büro zurück, das am Ende der Werkshalle im ersten Stock liegt. „Die Arbeit am Fußboden ist aber nur ein Aspekt unserer Arbeit“ fährt er fort. „Denn um die Inneneinrichtung fertigzustellen, geht so ein Wagenkasten im Anschluss auf Wanderschaft, beispielsweise in die Türenwerkstatt. Wir bekommen ihn jedoch wieder, um weitere Arbeiten vorzunehmen. Dazu gehört auch das Anbringen der Piktogramme, die auf die verschiedenen Bereiche verweisen – sei es fürs Fahrrad oder den Kinderwagen. Am Ende achtet verständlicherweise kaum ein Fahrgast darauf, was ihm zu Füßen liegt. Trotzdem ist der Boden das Ergebnis von Teamarbeit, er ist schlichtweg handgefertigt.“

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