Azubis üben bei der Parkeisenbahn
Theoretisches Wissen im Livetest: Unsere Auszubildenden sammeln in der Wuhlheide erste praktische Erfahrungen.
„Rangierbegleiter an den Weichenwärter, wir würden gerne die beiden Loks von Gleis 3 nach Gleis 2 rangieren. Dafür benötige ich deine Zustimmung”, spricht Mahmood Rashid in sein Funkgerät und wartet nervös auf die Antwort. Der Weichenwärter reagiert, gibt die Zustimmung über Rangiersignal Ra12 und die beiden Loks stehen schon nach kurzer Zeit auf Gleis 2.
Was in der Theorie einfach erscheint, kann bei der Umsetzung in die Praxis schon mal herausfordernd sein. Und so ist die Aufregung groß, als Mahmood Rashid, Kolya Munck, Hagen Schneider, Kevin Bremer, Dzenan Kolasinac und Dennis Redler am Morgen des 14. August pünktlich um 8 Uhr am S-Bahnhof Wuhlheide stehen. Die sechs Azubis, allesamt im ersten Lehrjahr ihrer Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport (EiB-LT), sind an diesem Tag für den Fahrbetrieb bei der Parkeisenbahn Wuhlheide verantwortlich.
Grau ist alle Theorie...
Die S-Bahn Berlin hat einen Kooperationsvertrag mit der Parkeisenbahn und kann dort mit ihren Azubis üben – und so steht für die angehenden S-Bahner ein echter Praxistest unter normalen Bedingungen an.
„Heute wird es ernst”, sagt Jens Klischies, der nicht nur Leiter Qualifizierung Fahrpersonal bei der S-Bahn Berlin ist, sondern auch Technischer Geschäftsführer bei der Parkeisenbahn. Er kennt die kleine Bahn, die in diesem Jahr 70. Jubiläum gefeiert hat, wie seine Westentasche – ist er doch selbst seit 1985 mit im Team. Die Azubis stimmt er auf die vor ihnen liegenden Aufgabe ein:
Klischies zeigt dabei auf sieben kleine beschriftete Schilder, die in einer Reihe an einer Tafel kleben. Jedes dieser Schilder steht für einen speziellen Wagen oder eine Lokomotive, die in der angegebenen Reihenfolge später unterwegs sein werden.
Der Druck der Praxis
„Wenn der Fahrzeugverband gebildet ist, schreiben Sie als nächstes die Wagenliste und erstellen im Anschluss den Bremszettel”, kündigt Klischies an. Das sei später wichtig für die Bremsprobe.
„Und da wir das heute unter reellen Bedingungen machen – wir haben schließlich ab 10 Uhr Fahrbetrieb mit vielen Fahrgästen, die am Hauptbahnhof der Parkeisenbahn einsteigen – haben Sie gleich noch den nötigen Druck, denn wir müssen um 9.30 Uhr mit allem fertig sein”, fügt er hinzu.
Die Zeit läuft...
Die Wagen und Loks stehen teils in der Wagenhalle, aber auch auf verschiedenen Gleisen. „Welcher Wagen muss nun zuerst auf Gleis 2?”, fragt der 24-jährige Kolya Munck, und macht sich Notizen. Unterstützung erhalten er und seine jungen Kollegen von Klaus Schulze, Trainer bei der S-Bahn Berlin für die Lokführer:innen, und von Ausbildungsfachkoordinator Stefan Zietlow. Zudem schauen Elias Ellermann und Patrick Schwarz, zwei Kollegen der Parkeisenbahn, den Azubis über die Schulter.
Und so planen, rangieren, kuppeln und entkuppeln die Azubis, stellen Weichen und verständigen sich über Funk mit allen Beteiligten. Klischies schaut immer wieder auf die Uhr. „Behaltet bitte unsere Abfahrtzeit im Auge, sonst kommen wir zu spät zu unserer ersten Fahrt.”
Viele Aufgaben greifen ineinander
Als der Zug am Hauptbahnhof der Parkeisenbahn bereit gestellt wird, warten schon Kitagruppen und einige Familien. Die Azubis werden nun zur örtlichen Aufsicht, zum Schrankenwärter und Zugschaffner. Sie machen Lautsprecherdurchsagen, fertigen Züge ab, verkaufen Fahrkarten und sichern den Bahnübergang.
Als die erste Zugfahrt mit den Fahrgästen beginnt, sind alle auch ein wenig stolz, was sie in den vergangenen Stunden erreicht haben.
Und sein 17-jähriger Kollege Hagen Schneider fügt hinzu:
Neben den sechs Azubis waren auch alle weiteren 18 EiB-LT-Auszubildenden während des Sommers an unterschiedlichen Tagen bei der Parkeisenbahn im Einsatz. Sie alle haben von der praxisbezogenen Ausbildung in vielerlei Hinsicht profitiert.








