Geschichte

Wo das Herz der S-Bahn schlägt

Die Betriebszentrale in Halensee feiert ihren 30. Geburtstag. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

Vor 30 Jahren eine hochmoderne Ausstattung mit großem Bedientablett und dicken Röhrenmonitoren: So sah der erste Computerarbeitsplatz 1993 in der Betriebszentrale Halensee aus.
Vor 30 Jahren eine hochmoderne Ausstattung mit großem Bedientablett und dicken Röhrenmonitoren: So sah der erste Computerarbeitsplatz 1993 in der Betriebszentrale Halensee aus.

Sechs schwarze Bildschirme, eingefasst in weißen Kästen. Davor ein riesiges Bedientablett, auf dem die Fahrdienstleiter den Computern vor ihnen Befehle geben.

Vor 30 Jahren haben wir noch mit einer Art Kugelschreiber die Kommandos gedrückt: Start, Ziel, Verarbeiten – und dann war die Strecke frei für die S-Bahnzüge. Weichen und Signale waren gestellt.

Andreas Prüfert DB Netz

Seit 47 Jahren ist er bei der Bahn und hat die Geburtsstunde der Betriebszentrale in Halensee 1993 miterlebt. Was heute längst Normalität ist – ein Computer-Arbeitsplatz – war damals noch eine kleine Sensation.

Aus der Ferne ganz nah dran

Plötzlich kann der Zugverkehr auf einem Bildschirm aus der Ferne überwacht werden, statt durch das Fenster eines Bahnhof-Stellwerks. Andreas Prüfert sitzt nicht mehr vor Ort und schaut, ob die Gleise für die Züge frei sind – sondern ist kilometerweit weg.

Ein Computerbildschirm reicht schon lange nicht mehr aus, um die Zugbewegungen aus der Ferne zu überwachen.
Ein Computerbildschirm reicht schon lange nicht mehr aus, um die Zugbewegungen aus der Ferne zu überwachen.
Früher habe ich den Fahrgästen einfach mal was zugerufen oder den Lokführern zugewunken und war ganz nah dran am Betrieb und den S-Bahn-Zügen.

Andreas Prüfert DB Netz

Die erste Strecke, für die er zusammen mit drei Kollegen in Halensee zuständig war, gehörte zur Stadtbahn und lag zwischen dem heutigen Hauptbahnhof und Westkreuz.

Gleich acht Telefone hatten wir, um den Verkehr zu managen. Das war ein ganz schöner Lärmpegel mit viel Geklingel, wenn die Kollegen uns Meldungen durchgegeben haben. Eine aufregende und stressige Zeit, aber auch eine schöne. Unser Ziel war es immer, unsere Fahrgäste schnell und sicher von A nach B zu bringen.

Andreas Prüfert DB Netz

823x rund um die Erde

Mit der wachsenden Metropole wächst auch die Betriebszentrale in Berlin-Halensee. Sie wird nach der Wende zum Herz des S-Bahn-Netzes. Mittlerweile sind hier 280 Mitarbeiter:innen im Einsatz. Insgesamt rollen in der Region fast 3.000 Fahrzeuge täglich über die Gleise – und legen so rund 33 Millionen Kilometer pro Jahr zurück: mehr als 823 Runden um die Erde.

Der denkmalgeschützte Klinkerbau der Betriebszentrale S-Bahn Berlin entstand 1928 in der Zeit der „Großen Elektrisierung“, als die „Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen“ schrittweise mit Strom statt mit Kohle und Dampf betrieben wurden.
Der denkmalgeschützte Klinkerbau der Betriebszentrale S-Bahn Berlin entstand 1928 in der Zeit der „Großen Elektrisierung“, als die „Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen“ schrittweise mit Strom statt mit Kohle und Dampf betrieben wurden.

Wer heute die Betriebszentrale betritt, dem leuchten aus Dutzenden Flachbildschirmen bunte Linien und Zeichen entgegen. Ein bisschen sieht es aus wie in einem futuristischen Cockpit.

Fluglotsen für die Schiene

Die Symbole stellen die Bewegungen der Züge dar: Mithilfe der elektronischen Stellwerkstechnik (ESTW) können die Fahrdienstleiter:innen in Halensee jede Zugbewegung, alle Bahnübergänge und sämtliche Weichenstellungen überwachen und steuern. Dabei stehen sie in ständigem Kontakt mit den Lokführer:innen in den S-Bahnen.

Ein Fahrdienstleiter ist quasi ein Fluglotse für die Schiene. Er sorgt mithilfe elektronischer Stellwerke dafür, dass die Züge sicher und möglichst pünktlich unterwegs sind – von der Starterlaubnis, dem Halt an bestimmten Signalen bis zum Überholen von anderen Fahrzeugen.

Jens Hebbe Leiter der Betriebszentrale

Läuft alles rund im Betrieb, ist es meist ganz ruhig in den Räumen der Betriebszentrale. Kommt es zu einer Störung, ist höchste Konzentration gefragt. „Dann musst du sofort zu 100 Prozent da sein und Entscheidungen treffen. Vorbereiten kann man sich darauf nicht“, so Mitarbeiter Denis Klar.

Warum es manchmal nicht weitergehen (kann)

Sind zum Beispiel Personen im Gleis, wird erstmal alles stillgelegt. Polizei und Rettungskräfte werden benachrichtigt. Manchmal sind es aber auch Tiere wie Schwäne oder Wildschweine, die den Verkehr zum Stocken bringen. Oder achtlos weggeworfene Gegenstände auf den Gleisen, vom E-Scooter bis zum Camping-Stuhl.

Gibt es einen technischen Defekt, rücken die mobilen Instandhalter:innen aus. Schließlich soll die Fahrt schnellstmöglich wieder weitergehen. Damit sich die Züge bei einer Störung nicht stauen, müssen die Disponent:innen notfalls Fahrzeuge umleiten oder sie aus dem Verkehr ziehen. „Genau für diese täglichen Herausforderungen sind die Mitarbeiter:innen ausgebildet und werden regelmäßig fortgebildet“, so Jens Hebbe.

Jens Hebbe ist Leiter der Betriebszentrale Halensee und sorgt gemeinsam mit seinen 280 Mitarbeiter:innen dafür, dass der S-Bahn-Verkehr in der Region Berlin-Brandenburg rund läuft.
Jens Hebbe ist Leiter der Betriebszentrale Halensee und sorgt gemeinsam mit seinen 280 Mitarbeiter:innen dafür, dass der S-Bahn-Verkehr in der Region Berlin-Brandenburg rund läuft.

Welche Strecke hält die Mitarbeiter:innen in Halensee besonders auf Trab? „Viel los ist meist auf der Ringbahn“, meint Denis Klar. In 60 Minuten umrunden die S-Bahnen auf der Strecke ohne Ende die City. „Da gibt es kaum zeitlichen Puffer bei Verspätungen oder Störungen.“

Neue Kolleg:innen dringend benötigt

In Zukunft werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Betriebszentrale noch mehr zu tun bekommen: Bis voraussichtlich Ende 2026 soll das komplette S-Bahnnetz von Halensee aus per Mausklick gesteuert werden. Dafür muss überall moderne Technik im Netz verbaut sein.

Neben der technischen Ausrüstung brauchen wir viele neue Kolleginnen und Kollegen bei uns im Team, um die Hauptstadt zu bewegen. Wir freuen uns über jede Bewerbung bei unserem Geburtstagskind. Am 23. September findet das nächste Recruiting-Event für Fahrdienstleiter:innen in Halensee (Anmeldung unten) statt, ganz nach dem Motto angucken, Eindrücke gewinnen und vor Ort bewerben.

Jens Hebbe Leiter der Betriebszentrale Halensee
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