Sicherheit

Notfallübung im S-Bahntunnel

Feuerwehrleute und S-Bahnpersonal haben gemeinsam den Ernstfall geprobt.

Der Erkundungstrupp geht als erster an den Ort des Geschehens und verschafft sich einen Überblick über die Lage.
Der Erkundungstrupp geht als erster an den Ort des Geschehens und verschafft sich einen Überblick über die Lage.

Die Sicht ist schlecht, dichter Rauch wabert durch den Tunnel. An einer S-Bahn ist ein Feuer ausgebrochen. Doch schon nach wenigen Minuten ist die Feuerwehr vor Ort. Schnell verschaffen sich die Feuerwehrleute einen Überblick der Lage und rollen schon bald die gelben Schläuche aus, um die Decke und die Wände des Tunnels herunterzukühlen und das Feuer zu löschen. Doch das Feuer ist nicht echt, und der Rauch kommt von einer Nebelmaschine. Es handelt sich lediglich um eine Übung.

In der Woche vom 26. bis zum 30. Januar haben Feuerwehrleute gemeinsam mit Mitarbeitenden der S-Bahn Berlin täglich mehrfach für den Ernstfall geprobt. Die Übungen fanden im neuen S-Bahntunnel statt, durch den künftig die Züge der S-Bahnlinie 15 von Gesundbrunnen über Wedding zum Hauptbahnhof fahren werden. Bahnsteig, Gleise, Treppen, Aufzug und Tunnel, ja sogar Fahrkarten- und Getränkeautomaten stehen schon bereit, doch der Bahnhof ist noch geschlossen.

Das hat einen großen Vorteil. So können die in der Nähe ansässigen Feuerwachen Wedding, Prenzlauer Berg, Tiergarten und Moabit einerseits in das neue S-Bahntunnel-Objekt eingewiesen werden, ohne den Verkehr zu behindern. Andererseits können sie hier unter nahezu realen Bedingungen eine Brandbekämpfung üben.
Andreas Kühn Übungsleiter und Notfallmanager bei der S-Bahn

Während an den Vormittagen die Berufswehren trainieren, haben an den Nachmittagen auch die Freiwilligen Feuerwehren aus der Umgebung die Chance, den unterirdischen S-Bahnhof Hauptbahnhof kennenzulernen.

Und dann geht es auch schon los. Es ist der 28. Januar, und die insgesamt sechste Brandübung im S-Bahntunnel am Hauptbahnhof. Ein Team der Feuerwache Moabit trifft auf eine qualmende und brennende S-Bahn: Kaum auf dem Bahnhof angekommen, befragt Staffelführer Nico Trützschler von Falkenstein Clemens Wagner, einen Mitarbeiter der DB InfraGO was geschehen ist.

„Die Gleise 211 und 212 sind gesperrt, der Strom ist bereits abgeschaltet und Kurzschließer gesetzt“, klärt Wagner über die Situation auf. Was genau dort geschehen ist, wie viele Fahrgäste im Zug sind und ob es Verletzte gibt, kann er nicht sagen.

Weitere Feuerwehrleute begeben sich organisiert in den S-Bahntunnel.
Weitere Feuerwehrleute begeben sich organisiert in den S-Bahntunnel.

Das muss der Erkundungstrupp der Feuerwehr herausfinden. Nach dem die Wasserentnahmestelle mit einer blauen Leuchte markiert wurde, macht sich der Erkundungstrupp auf den Weg in den Tunnel. Er sondiert die Lage, um so schnell und so effektiv wie möglich zu agieren. Schon bald sind sie im vernebelten Bereich angekommen und das Feuer ist entdeckt. Jetzt muss es schnell gehen:

Vor allem in Tunneln muss durch die hohe Thermik erst die Gefahr – also das Feuer – beseitigt werden, bevor wir Menschen retten. Würden wir das Feuer nicht schnell löschen, könnten noch viel mehr Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden – und die Feuerwehrleute selbst auch.
Marcel Fistler Sachbearbeiter für Verkehrsanlagen und zuständig für die Übungsleitung
Feuerwehrleute schließen die Schläuche an, um den Brand schnell löschen zu können.
Feuerwehrleute schließen die Schläuche an, um den Brand schnell löschen zu können.

Die Schritte hallen von den Wänden, als die Brandbekämpfer die Schläuche ausrollen und an die Wasserentnahmestelle anschließen. Und schon trifft der erste Strahl in kreisenden Bewegungen die Tunneldecke. Das ist ungemein wichtig, um die Tunnelstruktur zu kühlen und auf diese Weise die Energie des Feuers zu minimieren. Danach wird auch das Feuer an der S-Bahn gelöscht – und nach rund einer halben Stunde ist die Übung beendet.

„Ihr habt das großartig gemacht“, lobt Thomas Jendreyko das Team. Er ist an der Feuerwehrschule stellvertretender Lehrgruppenleiter für die Brandbekämpfung und weiß, wie wichtig solche Übungen sind:

Das bringt uns allen sehr viel – vor allem durch die Zusammenarbeit zwischen Einsatzleiter Feuerwehr, Regio Notdienst und Notfallmanager. So können wir die Herangehensweise und Abläufe sowie die Gefahren besser verstehen.
Thomas Jendreyko Stellvertretender Lehrgruppenleiter für die Brandbekämpfung an der Feuerwehrschule
Nachdem Tunneldecke und -wände mit Wasser gekühlt wurden, geht es an das Löschen der S-Bahn.
Nachdem Tunneldecke und -wände mit Wasser gekühlt wurden, geht es an das Löschen der S-Bahn.

Jedes Jahr werden die Feuerwehrleute in der Brandbekämpfung in punkto „Unterirdische Verkehrsanlagen“ weitergebildet, doch das geschieht normalerweise in der Tunnel-Übungsanlage Jungfernheide.

Jetzt jedoch unter Realbedingungen im S-Bahntunnel trainieren zu können, ist ein großer Gewinn. Wir weisen alle umliegenden Kräfte mit allen Wachabteilungen ein, damit sie das Objekt genau kennen. Sie sollen wissen, wie es hier unten aussieht, wo es Engstellen und Übergänge gibt.
Marcel Fistler Sachbearbeiter für Verkehrsanlagen und zuständig für die Übungsleitung

Wo ist meine Brandmeldeanlage und wo erhalte ich erste Informationen? Wie funktioniert die Lüftung? Wie sind die Wege hier hinunter? Wo sind die Zuleitungen, wo die Wasserentnahmestellen? Wie lang müssen die Feuerwehrschläuche sein? Was müssen sie an einem S-Bahnzug beachten? Wie evakuieren sie Fahrgäste? Diese und weitere Fragen können die Kolleginnen und Kollegen bei den Übungen klären – und die Informationen dann im Ernstfall nutzen.

Es ist auch gut, dass wir einen S-Bahnzug zur Verfügung haben. Denn dieser unterscheidet sich grundlegend von U-Bahnzügen.
Thomas Jendreyko Stellvertretender Lehrgruppenleiter für die Brandbekämpfung an der Feuerwehrschule

Zum Abschluss zeigt Übungsleiter Andreas Kühn den Feuerwehrleuten noch an der S-Bahn, wie sie die Türen von außen öffnen, wie sie am besten evakuieren und auf welche Gefahren sie achten müssen.

Alles in allem ein sehr guter und wichtiger Tag. So sind die Feuerwehren gut gewappnet, sollte wirklich einmal der Ernstfall eintreten.
Andreas Kühn Übungsleiter und Notfallmanager bei der S-Bahn
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