Mayday in Wuhletal
Nächtliche Notfallübung der S-Bahn Berlin und der BVG am 6. Oktober
E-Scooter auf Gleisen
„Übung, Übung, Übung. Mayday, Mayday, Mayday. Alle Fahrten zwischen Kaulsdorf und Wuhletal sofort anhalten!“ spricht der Triebfahrzeugführer in sein Funkgerät. Sein Zug ist mit einer Notbremsung auf den stockdunklen Gleisen zum Stehen gekommen – nach einer vermeintlichen Kollision mit einem E-Scooter.
Es sind die ersten Morgenstunden am Dienstag, 6. Oktober, und gerade ist zwischen den Bahnhöfen Kaulsdorf und Wuhletal im Berliner Osten etwas Außergewöhnliches gestartet: Eine große nächtliche Übung, die gemeinsam von S-Bahn Berlin und BVG geplant wurde – ohne, dass die in dieser Nacht diensthabenden Personen vorher Bescheid wussten.
Für eine höhere Sicherheit der Fahrgäste
Da die Sicherheit der Fahrgäste oberste Priorität hat, führt die S-Bahn zusammen mit der DB InfraGo regelmäßig großangelegte Übungen durch. Das Besondere an der Übung vom 6. Oktober: S-Bahn und BVG proben zum ersten Mal gemeinsam für den Notfall. Unter realitätsnahen Bedingungen soll insbesondere die Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen getestet werden. Das sind neben der S-Bahn und der BVG sowohl die Feuerwehr als auch die DB InfraGO mit ihrem Notfallmanagement. Dazu kommen die Landespolizei, zuständig für die BVG, und die Bundespolizei, zuständig für die S-Bahn. Alle diese Einsatzkräfte sollen den vermeintlichen Unfallort unter realistischen Bedingungen anfahren und damit wichtige Erkenntnisse zu Abläufen und Meldewegen im Ernstfall liefern.
Bei einem Unfall im schwer zugänglichen Gleisbereich ist es besonders wichtig, dass die Fahrgäste schnell Hilfe erhalten. Wie genau wird das sichergestellt? Nach dem Notruf über Funk an andere Züge auf benachbarten Gleisen informiert der oder die Triebfahrzeugführer:in den oder die Fahrdienstleiter:in der S-Bahn. Von der Betriebszentrale in Halensee aus steuert die Fahrdienstleitung das S-Bahn-Netz und stellt digital die Weichen und Signale auf den Strecken. Dann wird eine interne Meldekette in Gang gesetzt, mit der die Leitstellen der Feuerwehr und der Bundespolizei sowie interne Leitstellen der S-Bahn informiert werden.
Währenddessen geht das Unfallszenario auf den nächtlichen Gleisen in der Nähe des Bahnhofs Wuhletal weiter. Soeben hat der Notfallmanager der DB InfraGO den Strom auf den Gleisen abgestellt und den Gleisbereich abgesichert, um die vermeintliche Unfallstelle für die eintreffenden Einsatzkräfte vorzubereiten. Während der Übung ist er der Ansprechpartner vor Ort für die Einsatzkräfte der Bundespolizei und der Feuerwehr.
Verirrte Fahrgäste auf den Gleisen
Auf einmal sind laute Stimmen hörbar. Direkt nebenan auf dem U-Bahn-Gleis ist ebenfalls ein Zug zum Stillstand gekommen. Personen in Warnweste laufen suchend um die U-Bahn herum. Das parallel stattfindende Unfallszenario der BVG ist gestartet: Mehrere Fahrgäste, in dem Fall Kompars, sind aus dem Zug ausgestiegen und haben sich im Gleisbereich verirrt. Wie bei der kollidierten S-Bahn ist auch hier unklar, ob es Verletzte gibt.
Übungsleiter Martin Kunze, Leiter der Betriebszentrale S-Bahn, steht in roter Warnweste auf dem Bahnsteig und beobachtet das sukzessive Eintreffen der verschiedenen Einsatzkräfte. Bislang wissen die Beteiligten noch nichts von den zwei vermeintlichen Parallel-Unfällen.
Der Bahnsteig füllt sich jetzt mit Einsatzkräften und Beobachter. Die jeweiligen Einsatzleiter sprechen sich miteinander ab, dann lassen Kräfte der Feuerwehr eine Leiter ins Gleisbett hinunter und machen sich auf den Weg zu den stillstehenden Zügen. Sie kontrollieren zunächst, ob es einen Personenunfall auf einem der beiden Gleise gegeben hat.
Zwei Beamte der Bundespolizei, die für die S-Bahn zuständig ist, treffen kurz darauf bei der vermeintlich kollidierten S-Bahn ein – dicht gefolgt von zwei Beobachtern, die das Geschehen für die Bundespolizei dokumentieren. Zunächst wird geschaut, wie viele Personen im Zug sind und ob diese verletzt sind. In dieser Übung ist es nur der unverletzte Triebfahrzeugführer. Dann beginnen die Beamten mit der Spurensichtung. Sie finden Teile eines E-Scooters, die sich scheinbar unter dem Radsatz verkeilt haben, und suchen den Zug nach weiteren Unfallfolgen ab. Währenddessen werden auf dem Nachbargleis die Fahrgäste versammelt und mit Unterstützung der Feuerwehr auf den Bahnsteig evakuiert.
Zwei Jahre Planung hat es gebraucht, bis diese gemeinsame Übung von S-Bahn und BVG realisiert werden konnte. Die Auswertung soll vor allem dazu beitragen, die Zusammenarbeit an den Schnittstellen der beiden Verkehrssysteme weiterzuentwickeln.








