Soziales Engagement

Ein bisschen Wärme nicht nur für den Magen

Wie aus einem Anhänger mit S-Bahn-Förderung eine mobile Essensausgabe wurde.

Karla Pari (l.) und Barbara Wöllmer, beide wohnhaft in der Thermometersiedlung, freuen sich über die warme Suppe.
Karla Pari (l.) und Barbara Wöllmer, beide wohnhaft in der Thermometersiedlung, freuen sich über die warme Kartoffelsuppe.

In der Thermometersiedlung unweit des S-Bahnhofs Lichterfelde Süd zeigt das Thermometer am 17. Dezember deutliche Minusgrade. Das hält das Team des DRK-Kreisverbands Berlin Steglitz-Zehlendorf e. V. jedoch nicht davon ab, mit seiner mobilen Ausgabestation vorzufahren und für ein bisschen Wärme zu sorgen – vor allem von innen heraus.

Verteilt werden heiße Getränke und warme Mahlzeiten, zur Auswahl stehen heute Kartoffelsuppe und Nudeln mit Tomatensoße. Der heimliche Star dieser Ausgabe ist der Hänger, aus dem heraus das Essen gereicht wird. Denn ihm wurde in den vergangenen Monaten dank vieler fleißiger Unterstützer:innen neues Leben eingehaucht.

Das zweite Leben eines Versorgungsanhängers

Eine dieser Unterstützerinnen ist die S-Bahn Berlin. Das Unternehmen und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) fördern jedes Jahr besondere soziale Projekte, die sich aktiv für die Gesellschaft oder die Umwelt einsetzen. Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat sich mit seiner Projektidee „Henry“ beworben – und den Zuschlag erhalten. Der Name geht zurück auf Henry Dunant, der als Begründer der internationalen Rotkreuz-Bewegung gilt.

Mit den insgesamt zur Verfügung gestellten 8.500 Euro konnte der über 30 Jahre alte frühere Werkstattanhänger zum Versorgungsanhänger umgerüstet und fit für die Zukunft gemacht werden. So können die Ehrenamtlichen schneller, flexibler und umweltfreundlich in einen Betreuungs- oder Verpflegungseinsatz starten.

Wir haben vorne die Klappe neu eingebaut, hier erfolgt bei den Einsätzen die Ausgabe. Auf dem Dach haben wir
außerdem Solarzellen, um eigenen Strom produzieren zu können und autark zu sein.

Tobias Homann Leiter Einsatzstab Winterhilfe, Rettungssanitäter und Zugführer
Clara Schwehm (l.) und Dieter Westphal vom Team des DRK-Kreisverbands Berlin Steglitz-Zehlendorf e.V. verteilen warme Mahlzeiten und Getränke.
Clara Schwehm (l.) und Dieter Westphal vom Team des DRK-Kreisverbands Berlin Steglitz-Zehlendorf e.V. verteilen warme Mahlzeiten und Getränke.

Die größte Verwandlung aber hat der Hänger im Inneren erfahren.

Die Wandverkleidung und der Boden sind neu, alles abwischbar. Rechts sieht man ein Regalsystem aus Aluminiumprofilen. Das ermöglicht uns, je nach Einsatz, unterschiedliche Kisten zu packen und mitzunehmen. Auf der linken Seite wurden ein Spülbecken, ein großer Industriekühlschrank und weitere Regale verbaut.

Tobias Homann Leiter Einsatzstab Winterhilfe, Rettungssanitäter und Zugführer

Inzwischen sind die ersten Mahlzeiten an die Bewohner:innen der Siedlung verteilt worden. Das Essen wurde frisch gekocht, unter anderem 15 Kilogramm Kartoffeln haben die Ehrenamtlichen dafür geschält und geschnippelt.

Das ist auch eine Frage der Ehre. Wir sind der S-Bahn Berlin sehr dankbar, dass es solche Fördermöglichkeiten gibt. Denn die Finanzierung von Hilfsorganisationen ist eine echte Herausforderung. In den vergangenen zwei Jahren haben viele gemerkt, wie wichtig es ist, dass es solche Organisationen gibt. Das muss jetzt hinsichtlich der finanziellen Unterstützung auch in den Bezirken ankommen.

Andreas Kugler Präsident des Kreisverbands
Andreas Kugler, Präsident des Kreisverbands (vorne links) und Tobias Homann, Leiter Einsatzstab Winterhilfe
Andreas Kugler, Präsident des Kreisverbands (vorne links) und Tobias Homann, Leiter Einsatzstab Winterhilfe
Der soziale Ansatz ist eine der Wurzeln des Deutschen Roten Kreuzes. Gerade in diesem Winter rechnen wir damit, dass viele Menschen den Euro mehr als zweimal umdrehen müssen. Dann wollen wir da sein und Hilfe leisten. Aber das ist ein Prozess. Die Menschen müssen wissen, dass es uns gibt – und dann Vertrauen fassen.

Tobias Homann Leiter Einsatzstab Winterhilfe, Rettungssanitäter und Zugführer

Dieser erste Besuch des Kreisverbands in der Thermometersiedlung wird also sicher nicht der letzte gewesen sein.

Der DRK-Kreisverband Berlin Steglitz-Zehlendorf e. V. zählt insgesamt etwa 6.000 Mitglieder. Die meisten davon sind Fördermitglieder, die Zahl der Aktiven liegt bei rund 250.

Sieben Einsätze konnten mit dem neuen Hänger im vergangenen Jahr bereits realisiert werden, für 2023 sind bislang vier weitere geplant.

Für die Zukunft wünscht sich das Team, das Innere des Anhängers mit noch mehr Edelstahl ausstatten zu können sowie eine Außenbeleuchtung für die bessere Sichtbarkeit – gerade in der dunklen Jahreszeit. Auch ein Geschirrspüler steht noch auf der Wunschliste, um langfristig auf Mehrweggeschirr umstellen zu können.

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