S-Bahn Welt

125 Jahre Bahnhof Savignyplatz

Nachzügler zu Ministers Ehren: Der jüngste Bahnhof der Stadtbahnstrecke feiert in diesem Jahr seinen runden Geburtstag.

Überdachter Bahnsteig
Dieses Foto zeigt den überdachten Bahnsteig des Bahnhofs Savignyplatz im Jahr 1982.

Keine Bahnsteighalle, sondern nur ein einfaches Dach – und selbst das bedeckte anfangs nur den östlichen Teil des Bahnsteigs. So zumindest beschreiben Jürgen Meyer-Kronthaler und Wolfgang Kramer in ihrem Buch „Berlins S-Bahnhöfe“ die Anfänge des Bahnhofs Savignyplatz, als dieser 1896 eröffnet wurde. Seitdem hat sich einiges getan und 2021 steht nun ein besonderes Jubiläum an. Denn der Bahnhof feiert seinen 125. Geburtstag.

Jürgen Meyer-Kronthaler und Wolfgang Kramer wissen noch mehr von damals zu berichten. So schreiben sie: „Die beiden Schalterhallen wurden in den Viaduktbögen eingerichtet. Sein unverwechselbares Gesicht aber erhält der Bahnhof durch die nördlich direkt angrenzende, fensterlose und unverputzte Brandmauer, die Kehrseite der Mietshäuser. Grauschwarz-schmutzig vom Ruß der Dampfloks war diese Rückfront, später dunkelbraun-schmutzig vom Bremsabrieb der S-Bahn-Züge, die am Bahnhof Savignyplatz 1928 Einzug hielten.“

Kunst am Bahnhof: 1986 kam Ben Wagins "Weltbaum II"

Künstler Ben Wagin 1986 bei der Einweihung seines Wandbildes
Künstler Ben Wagin 1986 bei der Einweihung seines Wandbildes

Sechs Jahre später folgte eine Umgestaltung des Zugangs an der Schlüterstraße. Er erhielt eine Fassade aus dunkelroten Klinkern. Der östliche Zugang an der kleinen Privatstraße wurde mit der markanten kleinen Toranlage nebst neugotischer Aufschrift versehen.

Einen weiteren Wendepunkt hinsichtlich des Erscheinungsbilds stellen laut der historischen Aufzeichnungen dann die Jahre 1986 bis 1989 dar. 1986 wurde die Brandmauer auf der nördlichen Seite durch eine Künstlergruppe um den Aktionskünstler Ben Wagin mit der Wandbemalung „Weltbaum II“ gestaltet – einem gigantischen Lebensbaum. Original S-Bahn-Türen nagelte Wagin ebenfalls an das Gemäuer, in Abstand und Höhe den daneben haltenden Zügen angepasst. Heute ist das Werk etwas verblasst, aber dennoch ein Blickfang.

Der Jüngste auf der Stadtbahn steht unter Denkmalschutz

Ansicht S-Bahnhof Savignyplatz
1982 war noch die Deutsche Reichsbahn, die staatliche Eisenbahn der DDR, Betreiberin des S-Bahnhofs - auch im Westen.

Anschließend wurde der Bahnhof von 1987 bis 1989 saniert und 1993 ein weiteres Mal aufgefrischt. Die „Gewächshaus“-Zugänge sind wieder-erstanden, die Privatstraße samt östlichem Zugang ist aufgewertet – und seit Januar 1990 gibt es einen Aufzug.

Der Bahnhof Savignyplatz ist der jüngste der Berliner Stadtbahn, denn er wurde als letzter nachträglich in die Stadtbahnstrecke eingefügt. Heute steht der Bahnhof unter Denkmalschutz. Dieser hat sich auch eingeschaltet, als das Werk Ben Wagins zuletzt in Gefahr war. Denn weil die Hausverwaltung der Eigentü-mergemeinschaft die Fassade sanieren will, sollte das Bild entfernt werden. Ben Wagin selbst ist kürzlich verstorben, am 28. Juli im Alter von 91 Jahren. Zuvor kämpfte auch er noch um den weiteren Erhalt seines Kunstwerks.

Historie des Bahnhofs

1887

Der Bahnhof Savignyplatz wurde bereits neun Jahre vor seiner Eröffnung nach dem Rechtslehrer und preußischen Minister Carl von Savigny benannt.

1896

1. August

Eröffnung, Mittelbahnsteig (ohne Halle)

1929

11. Juni

Elektrischer Betrieb

1934

Umgestaltung des Eingangs Schlüterstraße

1945

April

Stilllegung

28. August

Wiedereröffnung, elektrischer Betrieb

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