S-Bahn Welt | Angesagt

35 Jahre Historische S-Bahn e.V.

Das Ziel bis heute: Historische Züge für die Nachwelt betriebsfähig zu halten und für Sonderfahrten zu nutzen.

Seit 1987 gab es den ersten Museumszug, ein „Stadtbahner“ im Auslieferungszustand von 1928. Sein Erfolg ebnete den Weg für den Verein.
Seit 1987 gab es den ersten Museumszug, ein „Stadtbahner“ im Auslieferungszustand von 1928. Sein Erfolg ebnete den Weg für den Verein.

An einen Mittwoch im Jahr 1991 kann sich Peer Hauschild noch ganz genau erinnern. Kein Wunder, hat doch an jenem 23. Oktober eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte begonnen. Die Rede ist von der Gründung des Vereins „Historische S-Bahn“ – und Peer Hauschild gehörte zu den Gründungsmitgliedern.

In Berlin fuhren damals Züge aus den 1920er- und 1940er-Jahren, also richtig alte Schätze. Das war eine Besonderheit.
Peer Hauschild Gründungsmitglied des Vereins „Historische S-Bahn“

„Gleichzeitig war absehbar, dass diese Fahrzeuge in den 90er-Jahren ersetzt werden sollten. Die Deutsche Reichsbahn hat zu dieser Zeit damit begonnen, einen Viertelzug der Bauart Stadtbahn, das sogenannte „Bernauer Viertel“, zu restaurieren und in seinen Originalzustand zu versetzen. Das fand so großen Anklang, dass anschließend weitere historische Fahrzeuge restauriert wurden.“

Als die Wende kam, waren die Tage der Deutschen Reichsbahn gezählt. Sie wurde Ende 1993 aufgelöst. „Uns wurde klar, dass somit auch die historischen Züge nicht länger wie bisher ausschließlich hauptamtlich betrieben werden können“, erzählt Peer Hauschild.

Ziel der Vereinsgründung war es also, die Arbeit der Deutschen Reichsbahn aktiv zu unterstützen und weiterzuführen und historische Fahrzeuge der S-Bahn für die Nachwelt betriebsfähig zu halten und sie zum Beispiel für Sonderfahrten einzusetzen.
Peer Hauschild Gründungsmitglied des Vereins „Historische S-Bahn“

Die nunmehr 35-jährige Vereinsgeschichte sei von kleinen und großen Wundern geprägt.

Dass es einen Großteil der Fahrzeuge überhaupt noch gibt und dass weitere historische Züge dazugekommen sind, ist nur möglich, weil wir all die Jahre viel Unterstützung erfahren haben – sei es zuerst von der Deutschen Reichsbahn, später von der S-Bahn Berlin, aber auch der DB InfraGO. Das war mehr, als wir uns jemals hätten vorstellen können.
Peer Hauschild Gründungsmitglied des Vereins „Historische S-Bahn“

Festes Domizil des Vereins ist seit Anfang der 2000er das Werksgelände der S-Bahn Berlin in Erkner. „Wir sind unheimlich glücklich, dass wir einen Großteil unserer Fahrzeuge dort sicher abstellen können.“

Aktuell gehören gut 30 Fahrzeuge zum Bestand, betriebstüchtig sind zwei Wagen aus den 1920er-Jahren (Stadtbahner) und zwei aus den 1930er-/1940er-Jahren (Rundköpfe). Seit 2016 ist der Verein zusätzlich ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, darf also selbstständig den Eisenbahnbetrieb durchführen.

In 35 Jahren Vereinsarbeit bleiben aber natürlich auch Rückschläge nicht aus. 2009 kam der Fahrbetrieb aus verschiedenen Gründen zum Erliegen – und wurde rund 15 Jahre lang nicht wieder aufgenommen.

In dieser Zeit haben sich die Mitglieder trotzdem mit viel Engagement und Herzblut um ihre alten Schätze gekümmert. So ist es ihnen gelungen, bis 2023 die genannten vier Wagen betriebstüchtig aufzuarbeiten. Unterstützt wurden sie dabei einmal mehr von der S-Bahn Berlin sowie dem Berliner Senat, der anlässlich des 100-jährigen S-Bahn-Jubiläums eine große Fördersumme ausgegeben hat.

Mit dieser Hilfe ist uns eine technische Revolution gelungen. Wir haben die Sicherungstechnik aus den 1920er-Jahren mit dem modernen Zugbeeinflussungssystem so verbunden, dass unsere historischen Fahrzeuge weiter im Netz verkehren können – und das ist für mich ein weiteres Wunder.
Peer Hauschild Gründungsmitglied des Vereins „Historische S-Bahn“
Die Fahrgäste im Museumszug werden von den Mitgliedern gut betreut.
Die Fahrgäste im Museumszug werden von den Mitgliedern gut betreut.

Heute sind die Sonderfahrten des Vereins aus dem jährlichen Veranstaltungsangebot in Berlin nicht mehr wegzudenken. Oftmals sei die Nachfrage größer als das Angebot, vor allem beim Weihnachtszug.

Dabei ist der Personalaufwand für die Fahrten nicht zu unterschätzen. Und man darf nicht vergessen, dass wir das alle ehrenamtlich machen. Wir können uns glücklich schätzen, dass sich von unseren 300 Mitgliedern rund ein Viertel regelmäßig aktiv einbringt.
Peer Hauschild Gründungsmitglied des Vereins „Historische S-Bahn“
Als die S-Bahn im August 2024 ihren 100. Geburtstag feierte, war der Verein mit seinem Zug mittendrin dabei.
Als die S-Bahn im August 2024 ihren 100. Geburtstag feierte, war der Verein mit seinem Zug mittendrin dabei.

Für die Zukunft wünscht sich Peer Hauschild, der von 1981 bis 1987 selbst als Triebfahrzeugführer gearbeitet hat, „dass wir weiterhin ein funktionierender Verein bleiben, in dem die Mitarbeit Freude bereitet – und dass wir unser nächstes großes Ziel erreichen: Wir sind aktuell dabei, vier weitere historische Wagen aufzuarbeiten, damit wir in Zukunft mit acht betriebstüchtigen Wagen Sonderfahrten anbieten können.“ Aber dafür brauche es noch einen langen Atem und vor allem Fördergelder (hier spenden!).

Ein weiterer Wunsch des Berliners ist, dass es künftig zusammen mit dem S-Bahn-Museum eine feste Ausstellung geben wird, in der nicht nur Züge zu sehen sind, sondern zum Beispiel auch Bahnhofsmobiliar, Bahnhofsschilder, Dokumente und mehr.

Ich möchte ein Dankeschön an alle Mitglieder des Vereins aussprechen, die ihn seit 35 Jahren am Leben halten, an alle Eisenbahner und Eisenbahnerinnen, die uns unterstützen, an alle Freundinnen und Freunde der historischen Berliner S-Bahn, an alle Fans und Fahrgäste, ohne deren Begeisterung und Fahrgeldeinnahmen wir das Ganze nicht machen könnten.
Peer Hauschild Gründungsmitglied des Vereins „Historische S-Bahn“
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