35 Jahre Historische S-Bahn e.V.
Das Ziel bis heute: Historische Züge für die Nachwelt betriebsfähig zu halten und für Sonderfahrten zu nutzen.
Voller Leidenschaft für alte Schätze
An einen Mittwoch im Jahr 1991 kann sich Peer Hauschild noch ganz genau erinnern. Kein Wunder, hat doch an jenem 23. Oktober eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte begonnen. Die Rede ist von der Gründung des Vereins „Historische S-Bahn“ – und Peer Hauschild gehörte zu den Gründungsmitgliedern.
„Gleichzeitig war absehbar, dass diese Fahrzeuge in den 90er-Jahren ersetzt werden sollten. Die Deutsche Reichsbahn hat zu dieser Zeit damit begonnen, einen Viertelzug der Bauart Stadtbahn, das sogenannte „Bernauer Viertel“, zu restaurieren und in seinen Originalzustand zu versetzen. Das fand so großen Anklang, dass anschließend weitere historische Fahrzeuge restauriert wurden.“
Das Ehrenamt ist nun gefragt
Als die Wende kam, waren die Tage der Deutschen Reichsbahn gezählt. Sie wurde Ende 1993 aufgelöst. „Uns wurde klar, dass somit auch die historischen Züge nicht länger wie bisher ausschließlich hauptamtlich betrieben werden können“, erzählt Peer Hauschild.
Die nunmehr 35-jährige Vereinsgeschichte sei von kleinen und großen Wundern geprägt.
Wo die S-Bahn-Oldies wohnen
Festes Domizil des Vereins ist seit Anfang der 2000er das Werksgelände der S-Bahn Berlin in Erkner. „Wir sind unheimlich glücklich, dass wir einen Großteil unserer Fahrzeuge dort sicher abstellen können.“
Aktuell gehören gut 30 Fahrzeuge zum Bestand, betriebstüchtig sind zwei Wagen aus den 1920er-Jahren (Stadtbahner) und zwei aus den 1930er-/1940er-Jahren (Rundköpfe). Seit 2016 ist der Verein zusätzlich ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, darf also selbstständig den Eisenbahnbetrieb durchführen.
Langer Dornröschenschlaf
In 35 Jahren Vereinsarbeit bleiben aber natürlich auch Rückschläge nicht aus. 2009 kam der Fahrbetrieb aus verschiedenen Gründen zum Erliegen – und wurde rund 15 Jahre lang nicht wieder aufgenommen.
In dieser Zeit haben sich die Mitglieder trotzdem mit viel Engagement und Herzblut um ihre alten Schätze gekümmert. So ist es ihnen gelungen, bis 2023 die genannten vier Wagen betriebstüchtig aufzuarbeiten. Unterstützt wurden sie dabei einmal mehr von der S-Bahn Berlin sowie dem Berliner Senat, der anlässlich des 100-jährigen S-Bahn-Jubiläums eine große Fördersumme ausgegeben hat.
Viel Arbeit, große Nachfrage
Heute sind die Sonderfahrten des Vereins aus dem jährlichen Veranstaltungsangebot in Berlin nicht mehr wegzudenken. Oftmals sei die Nachfrage größer als das Angebot, vor allem beim Weihnachtszug.
Das nächste Projekt im Blick
Für die Zukunft wünscht sich Peer Hauschild, der von 1981 bis 1987 selbst als Triebfahrzeugführer gearbeitet hat, „dass wir weiterhin ein funktionierender Verein bleiben, in dem die Mitarbeit Freude bereitet – und dass wir unser nächstes großes Ziel erreichen: Wir sind aktuell dabei, vier weitere historische Wagen aufzuarbeiten, damit wir in Zukunft mit acht betriebstüchtigen Wagen Sonderfahrten anbieten können.“ Aber dafür brauche es noch einen langen Atem und vor allem Fördergelder (hier spenden!).
Ein weiterer Wunsch des Berliners ist, dass es künftig zusammen mit dem S-Bahn-Museum eine feste Ausstellung geben wird, in der nicht nur Züge zu sehen sind, sondern zum Beispiel auch Bahnhofsmobiliar, Bahnhofsschilder, Dokumente und mehr.





