„Mit Selbstvertrauen kann man alles werden!“
Sabine Hamperl ist Chefin von 1.300 Lokführer:innen. Im Interview spricht sie über das Frausein im Job.
Sabine Hamperl steht stellvertretend für viele Frauen, die ihren Job bei der S-Bahn Berlin mit Leidenschaft ausüben. Die 65-Jährige ist Leiterin Betriebsmanagement für die Triebfahrzeugführer:innen – und sagt über sich selbst, dass sie immer gerne Chefin sein wollte. Mitte des Jahres geht Sabine Hamperl nach 49 Berufsjahren in den Ruhestand. „Aber im Herzen bleibe ich S-Bahnerin“, sagt sie. Die S-Bahn hat mit ihr über das Frausein im Job gesprochen.
Frau Hamperl, hat Ihr Geschlecht bei Ihrem beruflichen Werdegang je eine Rolle gespielt?
Sabine Hamperl: Nein. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass mein Geschlecht in meiner beruflichen Laufbahn eine Rolle gespielt hat. Ich hatte Gelegenheit mich ständig weiterzuentwickeln und konnte Tätigkeiten ausüben, die mich gefordert, aber mir auch viel Spaß gemacht haben.
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, als Sie in Führungspositionen aufgestiegen sind?
Sabine Hamperl: Ich habe meine erste Führungsposition angetreten, als ich noch recht jung war. Bereits ein halbes Jahr nach dem Ende meiner Ausbildung habe ich das damalige Fernfahrkartenzentrum in Schöneweide geleitet. Die Unterstützung, die ich da von Kolleg:innen und Führungskräften erfahren durfte, hat mir geholfen mich weiterzuentwickeln und neuen Aufgaben zu stellen. Was mich immer motiviert und bewegt hat, waren die Menschen um mich herum, sie sind ein wesentlicher Teil des Erfolges.
Haben Sie dennoch in Ihrem Umfeld die Beobachtung gemacht, dass es Frauen manchmal schwerer haben?
Sabine Hamperl: Ich glaube, die Besonderheit – und vielleicht auch Schwierigkeit – liegt nach wie vor beim Thema Kinderbetreuung. Deshalb finde ich es umso wichtiger, Frauen in diesem Punkt zu unterstützen und neue Möglichkeiten zu schaffen.
Wie könnte das aussehen?
Sabine Hamperl: Wir haben zum Beispiel für Triebfahrzeugführer:innen neue Arbeitszeitregelungen geschaffen, die stärker das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie berücksichtigen. Der Schichtdienst stellt für Frauen mit Familie eine besondere Herausforderung dar und ist oft nicht mehr zu leisten. Gemeinsam mit dem Betriebsrat haben wir deshalb besondere Arbeitszeitpläne für Mitarbeitende mit kleinen Kindern geschaffen und Lösungen erarbeitet, die es Frauen, aber auch alleinerziehenden Männern, ermöglichen, weiter als Triebfahrzeugführer:innen zu arbeiten – auch wenn kein Schichtdienst mehr möglich ist.
Warum ist es Ihrer Erfahrung nach wichtig, Frauen im Team zu haben?
Sabine Hamperl: Frauen bringen oft soziale Kompetenzen ein, sie fördern die Zusammenarbeit und verbessern die Unternehmenskultur.
Wie stehen Sie zur Frauenquote?
Sabine Hamperl: Eine Quote kann ein Signal für Gleichberechtigung setzen und die Unternehmenskultur durch diverse Teams verbessern. Es liegt an uns, mit oder ohne gesetzliche Vorgaben an einer gerechten Chancengleichheit zu arbeiten, ohne das Leistungsprinzip zu vernachlässigen. Ich persönlich würde es nicht wollen, einen Job nur zu kriegen, damit die Quote stimmt. Das hat aber auch damit zu tun, dass ich mich in meiner beruflichen Laufbahn nie benachteiligt gefühlt habe.
Was raten Sie jungen Frauen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen?
Sabine Hamperl: Traut euch! Bleibt flexibel und offen für neue Wege, aber verliert nicht eure eigenen Werte und Leidenschaften aus den Augen. Mit Selbstvertrauen, Leistung und Leidenschaft zum Beruf kann man alles werden!




