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Neue Chance für die alte Siemensbahn

Auf der rund fünf Kilometer langen Strecke könnten wieder Züge fahren

Blick in Richtung Jungfernheide: Birken sprießen zwischen den Bahnschwellen.
Blick in Richtung Jungfernheide: Birken sprießen zwischen den Bahnschwellen.

Auf einmal ist sie wieder im Gespräch. Die ehemalige Siemensbahn in Berlin-Spandau. Bis 1980 war sie in Betrieb und brachte täglich tausende von Siemens-Beschäftigten zur Arbeit. Doch seit fast 40 Jahren ruht der Zugverkehr auf dieser Strecke. Die Schienen sind größtenteils abgebaut und zwischen den Schwellen haben sich im Laufe der Jahre kleine Birken breit gemacht. Doch mit der Entscheidung des Siemens-Konzerns, in dem Bezirk für rund 600 Millionen Euro einen Innovationscampus zu errichten, keimt neue Hoffnung für eine Reaktivierung der rund fünf Kilometer langen Strecke auf. Außerdem sollen im Spandauer Norden in den nächsten Jahren 10.000 neue Wohnungen entstehen.

Bei Inbetriebnahme im Jahr 1929 war diese S-Bahn die Schlagader in die Siemensstadt. Straßenbahnen und Busse hatten schon längst nicht mehr die Kapazität gehabt, die stetig gestiegene Zahl an Arbeitern und Angestellten zu ihren Werken zu bringen. Schließlich gab es die heutige U-Bahnlinie U7 noch nicht, weil der Ausbau des Untergrundbahn-Netzes sich zunächst auf die Innenstadt konzentriert hatte.

Die ehemalige Siemensbahn, die vorwiegend als Hochbahn gebaut worden ist, zweigte am S-Bahnhof Jungfernheide in Richtung Nordwesten ab. Über die Spree ging es in Höhe der heutigen Rudolf-Wissell-Autobahnbrücke zunächst zum Bahnhof Wernerwerk, der sich ganz in der Nähe des U-Bahnhofs Siemensdamm befindet. Es folgten die Stationen Siemensstadt am Rohrdamm und schließlich der Endbahnhof Gartenfeld.

Der stillgelegte Bahnsteig Wernerwerk.
Der stillgelegte Bahnsteig Wernerwerk.
Dieses Bahnhofsschild ist noch intakt.
Dieses Bahnhofsschild ist noch intakt.

Wer den Verlauf der alten Strecke entdecken möchte, muss schon genau hinsehen. So ist die ehemalige Station Wernerwerk am vielbefahrenen Siemensdamm leicht zu übersehen. Zahlreiche Buchstaben im Bahnhofsnamen sind im Laufe der Jahre heruntergefallen oder entwendet worden. Das Zugangsbauwerk und der dazugehörige Bahnsteig sehen ziemlich mitgenommen aus. Nur noch wenige Details erinnern daran, dass die Station einmal ein ganz normaler S-Bahnhof in Berlin war. Ein Bild davon machte sich Ende November auch Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der DB für das Land Berlin:

Im nächsten Jahr beginnen unsere Ingenieure mit der Bestandaufnahme der Strecke. Wir müssen unter anderem prüfen, ob die Viadukte noch tragfähig sind und wie sie in Absprache mit dem Denkmalschutz saniert werden können. Dann werden wir wissen, wie gut die Trasse noch in Schuss ist.

Alexander Kaczmarek Konzernbevollmächtigter der DB für das Land Berlin
Alexander Kaczmarek erklärt an Hand historischer Unterlagen den Verlauf der Siemensbahn.
Alexander Kaczmarek erklärt an Hand historischer Unterlagen den Verlauf der Siemensbahn.

Ob die Strecke wieder in Betrieb gehen soll, entscheidet der Berliner Senat. Mit der Bestandsaufnahme schafft die Deutsche Bahn eine erste Grundlage dafür. Damit auf der Siemensbahn überhaupt wieder ein Zug fahren kann, muss außerdem im südlichen Abschnitt eine Brücke über die Spree wieder aufgebaut werden, um die Trasse an die Ringbahn nach Jungfernheide oder Westend anzubinden. Wenn es soweit kommt, wäre künftig sogar eine Verlängerung der Strecke über Gartenfeld hinaus bis nach Hakenfelde oder gar Hennigsdorf denkbar. Bis jedoch wieder Züge auf der Siemensbahn fahren, dürften noch ein paar Jahre vergehen.