Linien

Einigung über S21-Tunnel

Zwei Röhren der künftigen S-Bahnlinie sollen am Bundestag vorbei führen, nicht drunter her.

Mit der angepassten Trassenführung konnten die Bedenken des Bundestages bezüglich der Standsicherheit des Reichstagsgebäudes während der Bauarbeiten ausgeräumt werden.

Der Verlauf des S-Bahntunnels im Regierungsviertel für die neue Strecke der unter S21 bekannten City-S-Bahn steht fest. Die Kommission des Ältestenrates für Bau- und Raumangelegenheiten des Deutschen Bundestages, das Land Berlin und die Deutsche Bahn haben sich jetzt dazu geeinigt. Geplant ist, die Tunnel für die neue S-Bahnstrecke ab dem Hauptbahnhof in zwei Röhren östlich und westlich am Reichstagsgebäude vorbeizuführen. Die Trassenführung wird dabei angepasst. Die Standsicherheit der Parlamentsgebäude während der Bauarbeiten ist somit gewährleistet und der parlamentarische Betrieb kann ohne wesentliche Einschränkungen fortgesetzt werden.

Mit der Zustimmung der Baukommission des Ältestenrates haben wir jetzt die Möglichkeit, zügig weiter zu planen und zukünftig die baulichen Vorleistungen zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor aus den dreißiger Jahren zu nutzen

Alexander Kaczmarek Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB) für das Land Berlin

Mehr Kapazitäten für die wachsende Stadt

Mit dem Bau einer neuen Nord-Süd-Achse für die S-Bahn, der sogenannten S21, wird das Berliner S-Bahnnetz erweitert. So werden zusätzliche Kapazitäten geschaffen und neue Linienführungen ermöglicht. Der Hauptbahnhof wird aus allen vier Himmelsrichtungen per S-Bahn erreichbar, der Potsdamer Platz direkt an den Hauptbahnhof angebunden sein. Einfache und bequeme Umsteigemöglichkeiten werten den ÖPNV in Berlin weiter auf und entlasten den bisherigen Umsteigeknoten Friedrichstraße. Die Arbeiten für das Großprojekt haben bereits 2010 begonnen und werden in drei Bauabschnitten durchgeführt.

Mit der einvernehmlichen Lösung zum Streckenverlauf des zweiten Bauabschnitts hat die neue Nord-Süd-Verbindung der S-Bahn eine wesentliche Hürde genommen. Die S21 ist für Berlin ein sehr wichtiges Projekt, das die innerstädtischen Verkehrsadern spürbar entlasten wird.

Ingmar Streese Staatssekretär für Verkehr in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Bis 2026 entstehen Brücken, Tunnel und Bahnhöfe

Der erste Bauabschnitt (S-Bahn Nordring bis Berliner Hauptbahnhof) beinhaltet den Neubau einer rund 3,9 Kilometer langen Strecke. Sie verbindet den Berliner Hauptbahnhof in der Nord-Süd-Achse über zwei Äste mit dem Nordring der S-Bahn. Damit werden auch die S-Bahnhöfe Westhafen und Wedding an den Hauptbahnhof angeschlossen. Dafür werden drei Eisenbahnbrücken und ein 700 Meter langer Tunnel gebaut.

„Der Rohbau der Tunnelabschnitte bis zum Europaplatz sowie die Rampen und die Brücken Richtung Nordring sind fertiggestellt“, erläutert Matthias Waha, Bahnsprecher für die Region Berlin. „Im Bereich der Humboldthafenbrücken erfolgen derzeit bauvorbereitende Maßnahmen für den S-Bahn-Haltepunkt Berlin-Hauptbahnhof tief.“ Denn um bereits während der Bauzeit Zugverkehr zwischen dem Bahnhof Gesundbrunnen und dem Hauptbahnhof anbieten zu können, wird unter der Invalidenstraße am Hauptbahnhof bis zur Fertigstellung der S21 ein unterirdischer sogenannter Interimsbahnsteig errichtet. Dort soll die erste S-Bahn voraussichtlich im Sommer 2021 halten.

Einer der Zugänge zum neuen unterirdischen S-Bahnhof.
Einer der Zugänge zum neuen unterirdischen S-Bahnhof. (Archivbild 2018)

Zusätzlicher Bahnhof für die Europacity geplant

Nach der Bewertung auf Basis einer Nutzen-Kosten-Analyse soll ein zusätzlicher Halt an der Perleberger Brücke bestellt werden. Damit kein Verzug im Gesamtprojekt auftritt, hat sich die Senatsverwaltung dafür entschieden, bereits jetzt gemeinsam mit der Deutschen Bahn Vorsorgemaßnahmen für diese neue Station in der Europacity einzuleiten. Für diesen ersten Bauabschnitt rechne die Deutsche Bahn mit rund 400 Millionen Euro Erstellungskosten, so Waha.

Die jetzt abgestimmte Streckenführung am Bundestag ist Teil des zweiten Bauabschnitts (Berliner Hauptbahnhof bis Potsdamer Platz). Für diesen ist vorgesehen, die Strecke als Tunnel auf rund 1,2 Kilometern vom Hauptbahnhof in südlicher Richtung bis zur Anbindung an die bestehende Nord-Süd-S-Bahn mit Anschluss an den S-Bahnhof Potsdamer Platz weiterzuführen.

„Nach erfolgter Einigung mit dem Ältestenrat über den Trassenverlauf am Reichstagsgebäude wird nun die bestehende Entwurfsplanung überarbeitet, die dann auch eine zuverlässige Kostenberechnung ermöglicht“, sagt Matthias Waha. Die Planungsarbeiten für den dritten Bauabschnitt (Potsdamer Platz bis Südkreuz) befinden sich derzeit in der sehr frühen Phase der Grundlagenermittlung. „Die DB rechnet aktuell damit, die Vorplanung 2023 abschließen zu können“, teilt Matthias Waha mit.