Neue Technik fürs Netz
Die Bauarbeiten im Südosten rund um Schöneweide sind extrem aufwendig. Hier erklärt Projektleiter Robert Wehlisch warum.
In Schöneweide geht es weiter mit den umfangreichen Bauarbeiten: Vom 30. Januar (22 Uhr) bis zum 6. Februar (3 Uhr) fahren deshalb keine S-Bahnen zwischen Baumschulenweg und Grünau/Altglienicke/Spindlersfeld. (Hier erfahren Sie, wie Sie trotzdem ans Ziel gelangen.) Im Laufe des Jahres kommen weitere Sperrungen im Berliner Südosten dazu.
Folgend möchten wir Ihnen genau erläutern, welche Bauarbeiten vor Ort durchgeführt werden und warum sie so aufwendig sind. Die S-Bahn hat dazu mit Projektleiter Robert Wehlisch von der DB InfraGO AG gesprochen.
So erklärt es der Projektleiter, der bereits die Erneuerung des S-Bahnhofs Schöneweide gemanagt hat – rund 48.000 Fahrgäste nutzen den wichtigen Berliner Verkehrsknotenpunkt täglich.
13 Kilometer Strecke betroffen
Die ersten Planungen für die Modernisierung der Leit- und Sicherheitstechnik haben bereits 2017 begonnen. Kein Wunder, denn die Baustelle ist „sehr lang“: 13 Kilometer Strecke rüsten Wehlisch und sein Team um. Rund um die Uhr wird dafür in mehreren Schichten gearbeitet.
Gestartet wurden die Bauarbeiten 2024, Ende nächsten Jahres sollen die Bauhauptleistungen erledigt sein. Insgesamt 130 Millionen Euro investieren der Bund und die Deutsche Bahn in das Vorhaben.
Mechanische Stellwerke werden abgelöst
Herzstück der neuen Technik ist ein Elektronisches Stellwerk (ESTW) am S-Bahnhof Schöneweide. Es ersetzt im nächsten Jahr mehrere alte, teils mechanischen Stellwerke, in denen bislang vor Ort Bahnmitarbeiter:innen den Verkehr steuern.
Von außen sieht das neue ESTW unspektakulär aus: ein kleines kastenförmiges Gebäude mit wenigen Fenstern. Noch ist das Innere leer. In Zukunft werden hier jedoch jede Menge Computer Informationen an die kilometerweit entfernte Betriebszentrale der S-Bahn in Halensee senden: Wo befinden sich die Züge gerade? Stehen die Signale auf Rot oder Grün? Sind die Gleise für die Züge frei?
Mithilfe der Technik können die Fahrdienstleiter:innen in Halensee die S-Bahnen sicher aus der Ferne durch das Netz lotsen.
Wie die Strecke (neu) verkabelt wird
Damit das funktioniert, müssen viele Kilometer Strecke nach und nach fit für die neue Technik gemacht werden. Auf der Liste von Wehlisch und seinem Team stehen allein 256 Kilometer Kabel, die die neuen Signale mit Strom versorgen oder sie steuern.
Warum nächtliche Arbeiten nicht ausreichen
Manches kann sein Team dabei nur erledigen, wenn der entsprechende Streckenabschnitt gesperrt ist. „Wir führen so viele Arbeiten wie möglich nachts oder am Wochenende durch. Aber einige Dinge benötigen mehr Zeit, denn es ist zum Teil sehr schwierig in das Baufeld zu kommen.“
Bevor die Bagger loslegen können, muss die Strecke zudem nach Kampfmitteln abgesucht werden. „Wir prüfen die Erde mit Metalldetektoren. Schlagen sie an, werden große Löcher gegraben und die Sache gecheckt“, erklärt Wehlisch.
Mehr Sicherheit durch ZBS
Auf den Streckenabschnitten werden zudem die über 100 Jahre alten mechanischen Fahrsperren durch moderne Sicherungstechnik (ZBS) ersetzt: Kleine gelbe Platten, sogenannte Balisen, senden kabellos Informationen an die Bordcomputer in den S-Bahnen. Wird die erlaubte Geschwindigkeit übertreten oder ein rotes Signal überfahren, bremst ZBS das Fahrzeug ab oder stoppt es im Notfall automatisch.
Mehr Weichen = mehr Flexibilität
„Neben neuen Kabeln werden wir Weichen einbauen, die für einen stabileren und flexibleren S-Bahnverkehr sorgen“, so Wehlisch. Ist beispielsweise der Bahnsteig stadteinwärts an der Station Schöneweide gesperrt, etwa wegen einer Störung, können die S-Bahnen auf einen anderen Bahnsteig ausweichen und der Verkehr kann weiterlaufen.
Und welche Bauarbeiten stehen während der Sperrung in den Winterferien an?
Die Bauarbeiten in Zahlen
- Bauzeit: September 2024 bis Ende 2027
- Kosten: 130 Millionen Euro
- Einbau von:
- 360 Signalen und Balisen
- 15.000 Metern Kabelkanälen
- 240 Gleisquerungen
- 256 Kilometern Signalkabeln
- 21 Weichen










