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Essen leichtgemacht – der Kiezcheck Friedrichshain-Kreuzberg mit Laura Gehlhaar

Laura Gehlhaar ist Autorin, Social Media Persönlichkeit und Aktivistin. Für "Was hast du vor, Berlin?" nimmt sie den Kiez Friedrichshain-Kreuzberg einmal genauer unter die Lupe und zeigt dir, wo du am besten essen kannst - barrierefrei versteht sich!

Essen leichtgemacht – der Kiezcheck Friedrichshain-Kreuzberg

Laura Gehlhaar
Für uns schreibt heute Autorin und Bloggerin Laura Gehlhaar.

Ich kann nicht kochen. Alles, was mit Essen zu tun hat, überfordert mich. Wenn ich gefragt werde, was ich heute gerne essen möchte, antworte ich mit Beschreibungen, wie: »Dieses Runde von letzter Woche«. Oder ich nenne Farben, wenn man mich fragt, was ich auf mein Brot geschmiert haben möchte. Pink steht für Rote-Bete-Aufstrich, Gold für Honig und Beige für Senf. Herdplatten, auf denen Töpfe mit vor sich hin brodelnden Inhalten stehen, treiben mir den Angstschweiß auf die Stirn. Es sind mir immer zu viele und die unterschiedlichen Kochzeiten der Zutaten bekomme ich nicht unter einen Deckel.

Unterwegs mit Laura Gehlhaar.
Unterwegs mit Laura Gehlhaar.

Dabei bin ich überhaupt kein Kostverächter. Im Gegenteil – ich liebe gutes Essen. Besonders, wenn es fertig zubereitet vor mir auf einem schön angerichteten Teller liegt. Aber alles, was ich bisher versucht habe zu kochen, ist entweder verbrannt, zu Matsch vergart, in sich zusammengefallen, auseinander gebrochen oder explodiert. Der einzige, der mir ein Leben mit gut gekochtem Essen gewährleistet, ist „der Mann“, mein Freund. Dem Mann gucke ich nicht nur gerne beim Kochen zu, wir gehen auch gerne essen und probieren dabei sehr unterschiedliche Küchen aus. Und somit ist es die gute Friedrichshainer Mischung aus kleinen Restaurants und Lebensmittelläden, die mich schon oft vor den Qualen eines leeren Magens bewahrt hat.

Heimatgefühle in der Snackbar De Molen

Erinnerungsstücke aus den Niederlanden in der Snackbar De Molen
Die Niederlande mitten in Berlin.

Bei Begriffen, wie Satékroket, Bitterballen und Frikandel schießen mir regelrecht die Tränen in die Augen. Vier Jahre lang habe ich in den Niederlanden gelebt. Und eben auch gegessen. Da gehörten niederländische Spezialitäten zum alltäglichen Speiseplan. Seit 2008 bin ich in Berlin, und die Snackbar De Molen auch. Vielleicht sollte es einfach so sein, dass wir beide jetzt im selben Kiez zu Hause sind.

Frittiertes in De Molen
Frittiertes in De Molen.

Mit Liebe zum holländischen Detail führt Uwe Hübner mit seiner Frau die einzige holländische Snackbar in Berlin. Bei einem plötzlichen Anflug von Heimweh, findet man mich hier wieder mit mindestens einer guten Portion Kipgoudklompjes in Joppiesaus. Eet smakelijk!

Knusprige und frische Kipgoudklompjes.
Knusprige und frische Kipgoudklompjes.
Laura Gehlhaar genießt das niederländische Essen.
Laura genießt das niederländische Essen.

Die Snackbar De Molen ist barrierefrei. Eine Rollstuhltoilette ist vorhanden.

Südamerika im Norden von Friedrichshain

Regal im südamerikanischen Supermarkt Chili und Paprika.
Südamerikanischer Supermarkt Chili und Paprika.

Das erste und bisher einzige Mal als ich in Südamerika war, trug mich meine Mutter im Tragetuch durch Argentinien. Das ist jetzt 33 Jahre her. Um in den Genuss von südamerikanischen Spezialitäten zu kommen, muss ich heute nur zur S-Bahnstation Frankfurter Allee fahren und von dort einen fünf minütigen Fußmarsch zum Mexikanischen Supermarkt im Friedrichshainer Nordkiez antreten.

Laura untersucht die Lebensmittel.
Laura untersucht die Lebensmittel.

Mathias Jung ist der Geschäftsführer von Chili und Paprika, des vielleicht kleinsten Supermarkts in Berlin, und führt jede*n Besucher*in mit Know-how durch eine vielfältige Auswahl an Lebensmitteln aus Mexiko, Brasilien, Argentinien, Peru, Kolumbien, sowie Chili & Paprika-Spezialitäten aus aller Welt.

Der Supermarkt hat eine große Auswahl.
Der Supermarkt hat eine große Auswahl.

Der Supermarkt ist barrierefrei, aber sehr eng.

Japanisches Omlette am Ostkreuz

Laura Gehlhaar mit der S-Bahn mobil unterwegs
Mit der S-Bahn mobil unterwegs.

Egal wie satt ich gerade bin, für gutes japanisches Omelette bin ich immer zu haben. Und dann am liebsten bei Harapeco. Komme ich am Abend nach Hause und steige an der S-Bahnstation Ostkreuz aus, ist ein kurzer Abstecher in die Okonomiyaki und Sake Bar fast unumgänglich.

Japanisch Essen in der Sake Bar.
Japanisch Essen in der Sake Bar.

Und nachdem ich die ganze Karte einmal komplett durchprobiert habe, bin ich als eigentliche Nichtveganerin beim Vegan-Yaki hängengeblieben.

Laura Gehlhaar
Immer einen Zwischenstopp wert!

Die Bar ist nur bedingt barrierefrei. Es gibt eine kleine Stufe am Eingang und drinnen ist es etwas eng. Dem Besitzer gab ich den Tipp, sich eine zusammenfaltbare Rampe anzuschaffen.

Lakritz – die bessere Schokolade

Angebotsauswahl des Lakritzdealers in Berlin
Auswahl des Lakritzdealers in Berlin.

Ich gehöre zu den drei Menschen auf dieser Welt, die Schokolade meiden. Dafür verehre ich Lakritz. Begga Beyersmann ist die Geschäftsführerin vom Lakritzdealer und hilft ihren Kund*innen gerne bei der Auswahl aus über 400 internationalen Lakritzspezialitäten aus Holland und den skandinavischen Ländern.

Von salzig bis süß kann man hier alle Lakritzsorten finden.
Von salzig bis süß kann man hier alles finden.

Und dann steht man vor den gefühlt 1.000 Fächern u.a. gefüllt mit veganen Salzlakritzchips aus Finnland, Islandlakritz oder Kettenfett Lakritzlikör und muss sich irgendwie zwischen bester und bester Qualität entscheiden.

Salzlakritz aus Skandinavien.
Salzlakritz aus Skandinavien.

Am Ende habe ich mich dann doch an etwas mit Schokolade herangetraut –Lakritzschokolade!

Der Lakritzdealer ist barrierefrei und mit ausgelegter Rampe befahrbar.

Barrierefreiheit für Berlin

Laura Gehlhaar an einer Straßenkreuzung in Friedrichshain-Kreuzberg
Zum Glück gibt es in Friedrichshain-Kreuzberg viel zu entdecken.

Auch wenn ich mit meinen nicht vorhandenen Kochfähigkeiten keine kulinarischen Ansprüche erheben sollte, bin ich doch froh, dass mein Kiez eine so vielfältige Küche anbietet und mich vor dem Hungertod rettet.

Laura Gehlhaar mit Rollstuhl auf Berliner Fußweg
Barrierefreiheit ermöglicht allen Menschen Zugang zu Berlin.

Für mich als Rollstuhlfahrerin ist es wichtig, dass die Orte, wo ich gerne esse, barrierefrei sind. Mir ist es wichtig, dass ich selbständig und ohne die Hilfe anderer in Restaurants oder andere Läden hineinkomme und auch innerhalb dieser Orte eine rollstuhlgerechte Toilette vorhanden ist. In meiner Auswahl habe ich auf diese beiden Kriterien geachtet, möchte sie aber gleichzeitig nicht zu Ausschlusskriterien machen, indem ich jeden Ort strikt meide, der nicht barrierefrei ist. Mir ist bewusst, dass nicht morgen alle Restaurants und andere Läden barrierefrei zugänglich sind, aber ich appelliere stark an alle Betreiber*innen, sich auch in ihrem Geschäft für Barrierefreiheit einzusetzen und Menschen mit Mobilitätseinschränkung als potentielle Kund*innen mitbedenken.

Hier sind Lauras Orte:

Über Laura Gehlhaar

Laura Gehlhaar mit ihrem Buch „Kann man da noch was machen?"
Laura Gehlhaar mit ihrem Buch „Kann man da noch was machen?

Laura Gehlhaar ist 1983 in Düsseldorf geboren und hat Sozialpädagogik und Psychologie in Holland und Berlin studiert. 2008 kam sie für die Liebe und einen Job in der Gerontopsychiatrie nach Berlin und arbeitet heute als Autorin und Coach. Sie hält Vorträge über Inklusion und Barrierefreiheit und schreibt in ihrem Blog Frau Gehlhaar über das Großstadtleben und das Rollstuhlfahren. Im September 2016 erschien ihr erstes Buch „Kann man da noch was machen?“ im Heyne Verlag.

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