Ausflugstipps

Berlins geheime Gärten: Fünf versteckte Großstadtoasen

Rund 2.500 Parks, über eine Million Bäume – Berlin gilt als grünste Metropole Europas. Abseits des Trubels öffentlicher Anlagen – und in praktischer S-Bahnnähe – könnt ihr hier kleine Paradiese entdecken und euer grünes Wunder erleben. Verspr

Comenius-Garten: Paradies im Problembezirk

Er ist einer der ungewöhnlichsten Orte in Berlin – der Comenius-Garten in Neukölln. Auf einer Brachfläche im Böhmischen Dorf, nur zehn Minuten zu Fuß vom S-Bahnhof Neukölln entfernt, wurde er Anfang der 1990er-Jahre nach den Vorstellungen des tschechischen Universalgelehrten Johann Amos Comenius (1592-1670) angelegt. Ob Kräutergärtchen, Veilchenbeete, Rosenhain, Teich und Streuobstwiese – hier hat alles eine Bedeutung: Comenius betrachtete die Welt als Garten, als Paradies.

Kleine Grünfreunde können sich hier ausprobieren und spielerisch lernen. Aber auch Erwachsene sind willkommen, die Oase mitten in Neukölln zu genießen – der Comenius Garten ist zwar versteckt, aber öffentlich zugänglich. Hinein kommt ihr durch ein Holztor, das sich nach Drücken eines Klingelknopfes öffnen lässt, dann folgt ihr dem Pfad, der sich quer durch den etwa 7.000 Quadratmeter großen Garten schlängelt. Tipp: Wenn ihr mehr über die Philosophie des Comenius-Gartens erfahren wollt, vereinbart einfach eine Führung mit dessen Gründer und Geschäftsführer Henning Vierck.

Ein Blick in den Comenius-Garten
Aussicht im Comenius-Garten

Mur Végétal: Urwald an der Wand

Von Weitem glaubt ihr vielleicht, vor einem gigantischen Gemälde in Grün zu stehen. Doch das, was sich an der Rückwand des Kulturkaufhauses Dussmann, unweit des S-Bahnhof Friedrichstraße, über alle Stockwerke hinweg erstreckt, lebt – und wuchert. Über 6.000 tropische Pflanzen hat der französische Botaniker und Pflanzenkünstler Patrick Blanc hier 2012 kunstvoll zu einer „Mur Végétal“, einem dschungelartigen vertikalen Garten, arrangiert. Unter den 150 verschiedenen Pflanzenarten, die sonst nur auf Klippen, Felsen oder Baumstämmen wachsen, könnt ihr hier Blumen wie Orchideen und Anthurien ebenso finden wie Moose und Farne.

Blanc kombinierte Pflanzen mit unterschiedlichen Blattformen, um den Eindruck eines ornamentalen Gemäldes zu erzeugen. Ausgeklügelt ist auch das verborgene Bewässerungssystem des 270 Quadratmeter großen Indoor-Gartens, der völlig ohne Erde auskommt: Kleine Wasserfälle, die in einem Fischaquarium am Fuß der grünen Mauer münden, sorgen nicht nur für Feuchtigkeit. Ihr beruhigendes Plätschern lässt das quirlige Kaufhaus zu einer Oase der Entspannung werden.

Steppengarten: Kleinod im Großen Tiergarten

Leicht bewegen sich die Halme der hüfthohen Gräser im Wind, dahinter blühen Sonnenhut, Schafgarbe und Salbei. Lavendelduft liegt in der Luft. Neben den barocken Anlagen im Großen Tiergarten, überseht man den Steppengarten leicht, dabei ist er richtig schön. Tausende sonnenhungrige Gräser und Stauden wachsen hier, zwischen Brandenburger Tor und S-Bahnhof Potsdamer Platz.

Tiergartendirektor Wilhelm Alverdes ließ den Steppengarten 1953 anlegen. Im Schatten der Mauer geriet er dann allmählich in Vergessenheit. Beinahe verloren gegangen wäre das Gräsermeer jedoch im Zuge der Neugestaltung des östlichen Tiergartens 2009: Brennnesseln und anderer Wildwuchs hatten die zarten Pflanzen fast völlig verdrängt. Nur dank einer Gruppe von Gärtnern und Gartenarchitekten, die seit 2011 den Steppengarten ehrenamtlich pflegen, konnte die empfindliche Pracht gerettet werden.

Blumen aus dem Steppengarten
Blumen aus dem Steppengarten

Gartenstadt am Falkenberg: Grünes Herz der Tuschkastensiedlung

Orange, rostrot, kanariengelb, tiefschwarz, himmelblau – es sind die farbenfrohen Fassaden, die euch beim Besuch der Gartenstadt am Falkenberg zuerst ins Auge fallen. Sie sind auch für den Spitznamen verantwortlich: Tuschkastensiedlung. Geplant und gebaut wurden sie 1912/13 nach dem Vorbild englischer Gartenstädte vom Architekten Bruno Taut, unweit des heutigen S-Bahnhofs Grünau. Als eine von sechs Berliner Siedlungen gehören die gut ein Dutzend Reihenhäuser, die sich um einen kleinen Platz gruppieren, zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Doch nicht nur wegen der bunten Häuser lohnt sich hier ein Spaziergang, auch wegen der Gärten: Sie wurden Anfang des letzten Jahrhunderts von einem Gartenarchitekt auf den bis zu 600 Quadratmeter großen Parzellen angelegt. Die Bewohner sollten sich mit Obst und Gemüse versorgen können, deshalb liegen die Gärten der Sonne zugewandt. Sie sind noch heute das grüne Herz der Siedlung: Äpfel und Kirschen wachsen üppig am Spalier, Blauregen und Klematis winden sich an den Fassaden, Hecken und Baumreihen gliedern die Gärten dort, wo bewusst auf Zäune verzichtet wurde.

Häuser der Gartenstadt am Falkenberg
Häuserreihe in der Gartenstadt am Falkenberg

Waldgarten des Georg-Kolbe-Museums: Kunst unter Kiefern

Lust auf Natur – und Kultur? Könnt ihr beides haben. Im Garten des Georg-Kolbe-Museums, das im Westend, nahe des S-Bahnhofes Heerstraße liegt, beeindrucken alte Kiefern und mannshohen Skulpturen die Besucher. Hier, auf einer Lichtung des Grunewalds, ließ der Berliner Bildhauer Georg Kolbe 1928 sein Wohnhaus sowie eine Atelierwerkstatt im Stil des Neuen Bauens errichten. Ein schmaler Waldweg führt direkt in den Garten, wo Kolbe auch an seinen Skulpturen arbeitete. Rund 200 seiner Werke zeigt das Museum im ehemaligen Atelierhaus. Einen Teil der Bronzefiguren könnt ihr jedoch im Garten frei besichtigen, sie stehen dort verteilt zwischen Rhododendrenbüschen.

Auch auf der Terrasse von Kolbes Wohnhaus, in dem sich jetzt ein Cáfe befindet, hat sich eine bronzene Dame niedergelassen. Gerade im Frühjahr solltet ihr dem früheren Rückzugsort des Bildhauers einen Besuch abstatten: Dann bezaubert sein stiller Waldgarten mit Akeleien, Leberblümchen und zarten Buschwindröschen, die unter den hohen Bäumen blühende Teppiche bilden. Und wenn eure Gartenlust noch immer nicht gestillt ist, dann macht doch einen Abstecher in den nur 500 Meter weit entfernten Georg-Kolbe-Hain: An der vielbefahrenen Heerstraße liegt auf hügeligem Gelände ein versteckter Park. Fünf überlebensgroße Statuen Kolbes stehen hier unter dem grünen Dach von Kiefern, Fichten und Birken. Streublumenwiesen, Farne und Gräser geben dem Ort etwas Verwunschenes.

Tänzerinnenbrunnen im Waldgarten des Georg-Kolbe-Museums
Waldgarten des Georg-Kolbe-Museums

Das könnte Sie auch interessieren

Ausflugstouren S2

Ein Ausflug für Wanderer - Natur pur in Blankenfelde

Nur wenige Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze liegt Blankenfelde-Mahlow. Mit ihren schönen Wander- und Fahrradwegen lockt die...

Ausflugstouren S2 S25

Zwischen Natur und Technik – die Südgelände-Tour

Gegensätze machen das Leben spannend. Erleben Sie den faszinierenden Kontrast von historischen Bahnrelikten, urwüchsiger Natur und moderner Kunst –...

Ausflugstouren S1

Natur ganz nah erleben: die Lehnitzseetour

Nur eine halbe Stunde nördlich von der Berliner City entfernt liegt ein wahres Erholungsparadies: der Lehnitzsee. Machen Sie einen Ausflug in eine...