Berlin Insights

Berlin Tag und Nacht: Bunker und Tanzschuhe

Berlin hat zwei Gesichter: den quirligen Tag und die aufregende Nacht. Egal für welche Seite ihr euch entscheidet, hier bekommt ihr passende Tipps.

Hinter Beton: Die Sammlungen Boros

Hinter meterdicken Bunker-Mauern gut verwahrt, findet ihr sie: die persönliche Kunstsammlung zeitgenössischer Kunst des Ehepaars Boros. Unternehmer Christian Boros und seine Frau Karen haben sich mit ihrem eigenen Museum im ehemaligen Reichbahnbunker einen Traum erfüllt. Auf etwa 3000 Quadratmetern werden auf der Reinhardtstraße, nahe der Friedrichstraße, aktuelle Werke von Gegenwartskünstlern aus aller Welt gezeigt.

Hier könnt ihr in eine ganz eigene Kunstwelt abtauchen, fernab von Stadttrubel, Tageslicht und Handyempfang. Hinein in ein riesiges Labyrinth auf mehreren Stockwerken und mit einigen Überraschungen. In der aktuellen Präsentation sind Arbeiten internationaler Künstler der 1990er- und 2000er-Jahre ausgestellt. Das Museum zeigt meterhohe Bilder, Installationen und beeindruckende Skulpturen der privaten Sammlung des Werbers und seiner Frau, die circa 700 Werke umfasst. Darunter Künstler wie Ai Weiwei oder Olafur Eliasson.

Installation von Yngve Holen
Installation von Yngve Holen

Vom Dancefloor zum Museum

Der beeindruckende Bau hat eine bewegende Geschichte hinter sich: Schutzraum während des Zweiten Weltkriegs, später Kriegsgefängnis, Textilienlager, Bananenbunker, Techno-Club und schließlich Privatmuseum. Seit über zehn Jahren ist das Privatmuseum nun für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Historie des Hochbunkers spürt ihr, wenn ihr durch seine vielen Räume geht. Dabei geht es in den Räumen nicht nur darum, die Kunst auf sich wirken zu lassen, sondern wirklich zu erleben.

Bereits zu Beginn des Rundgangs stößt man auf das Kunstwerk „Mandi III“ von Kris Martin. Zu sehen ist eine große, schwarze Anzeigentafel, ähnlich wie am Flughafen, die an einer weißen Wand hängt. Davor stehen Stuhlreihen – es ist ganz still. Plötzlich beginnen sich die kleinen Plättchen zu drehen, man hört das typische Klackern und wartet auf die Anzeige – doch nichts da: Die Tafel bleibt schwarz. Immer wieder drehen sich die kleinen Fallblätter, aber nichts erscheint. Als in dem Bunker noch Techno-Partys gefeiert wurden, galt er als härtester Club der Welt. Noch heute kommt ihr nicht so einfach in das Museum. Um den Bunker zu besuchen, müsst ihr euch für einen geführten Rundgang anmelden. Dieser wird von Donnerstag bis Sonntag angeboten. Auf der Website des Museums könnt ihr die Führungen buchen. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 9 Euro.

Ein Werk vom Maler Michel Majerus
Ein Werk vom Maler Michel Majerus

Nachtschwärmer: Feiern wie vor 100 Jahren

Die Auguststraße 24 in Berlin Mitte beherbergt seit mehr als 100 Jahren eine Berliner Institution, wenn es ums Tanzen und Feiern geht: Clärchens Ballhaus. Hier macht ihr die Nacht zum Tag – abseits der üblichen Adressen. Swing, Walzer oder Rumba: In Clärchens Ballhaus kommt ihr definitiv auf den Tanzgeschmack.

Das Lokal, das bereits 1913 eröffnete, hat zwei Weltkriege und Diktaturen überstanden – und ist heute beliebter denn je. Nachdem ihr Ehemann Fritz Bühler im Ersten Weltkrieg fiel, führte Clara das Lokal unter eigener Leitung weiter und benannte es in „Clärchens Ballhaus“ um. Heute könnt ihr hier an jedem Abend der Woche zu unterschiedlichen Tanzstilen und Musikrichtungen feiern. Das Interieur hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts kaum verändert: Holzvertäfelte Wände, Stuck und knarzendes Fischgräten-Parkett machen seinen Charme aus.

Der Ballsaal von Clärchens Ballhaus
Der Ballsaal von Clärchens Ballhaus

Discodienstag und Tanztee am Sonntag

Im Ballsaal gibt‘s montags Salsa zu hören. Dienstags dreht sich alles um Disco. Der Mittwoch ist den 20er-Jahren und dem Swing vorbehalten. Am Donnerstag wird Cha- Cha-Cha und Walzer getanzt. Freitag und Samstag spielen beim „Schwoof“ wechselnde Live-Bands und DJs. Wer dann sonntags immer noch nicht genug hat, kann zum „Tanztee“ wieder in Clärchens Ballhaus aufschlagen.

Das Publikum ist bunt gemischt. Egal ob Alteingesessene, Neugierige, Studenten, Normalos oder Paradiesvögel: Hier trifft sich jeder, der Lust aufs Tanzen hat. Der Altersunterschied beträgt dabei auch mal 60 Jahre – was der Stimmung überhaupt keinen Abbruch tut. Wer sich vor dem Tanzen noch stärken möchte, kann das ebenfalls direkt vor Ort tun. Die Speisekarte ist so unterschiedlich wie die Tänze, die hier auf dem alten Parkett gezeigt werden. Hier gibt es von Pizza bis Wiener Schnitzel alles, was sich hungrige Gäste wünschen.

Der große Saal in Clärchens Ballhaus
Der große Saal in Clärchens Ballhaus

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