S-Bahn Welt

Das Geheimnis ums S-Bahnlogo ist gelüftet!

Wer hat das S-Bahn-Zeichen erfunden, wofür steht das „S“? Mathias Hiller weiß die Antwort.

Der Eingang zum Tunnelbahnhof am Potsdamer Platz: In Betrieb ging der S-Bahnhof Potsdamer Platz am 15. April 1939.
Der Eingang zum Tunnelbahnhof am Potsdamer Platz: In Betrieb ging der S-Bahnhof Potsdamer Platz am 15. April 1939.

Wer hat's erfunden?

Das selbstbewusst geschwungene S auf rundem grünem Hintergrund – jedes noch so kleine Kind erkennt sofort, was damit gemeint ist. Die S-Bahn Berlin (als Mutter aller S-Bahnen) fährt nunmehr seit über 90 Jahren unter ihrem berühmten Signet durch die Stadt und darüber hinaus. Am 1. Dezember 1930 wurde das Symbol offiziell eingeführt. Doch auf die Frage „Wer hat’s erfunden?“ gab es bis vor Kurzem keine gesicherte Antwort.

S wie Stadt... oder S wie Schnell... ?

Das Symbol war in Abgrenzung zur U-Bahn als ein starkes Markenzeichen gedacht, unter dem die modernen Elektrotriebzüge nicht länger als „Stadt-, Ring- und Vorortbahnen“ verkehren sollten. Auch darüber, wofür das S genau steht, konnte gestritten werden. 

Detektivarbeit ergab neue Erkenntnisse 

Matthias Hiller
Der freischaffende Verleger und Hobbyhistoriker Mathias Hiller hat ein Faible für die Berliner S-Bahn.

Mit dem neuen Jahr ergaben sich in beiden Fragen neue und überraschende Antworten. Ans Licht kamen diese dank eines Rechercheteams um den freischaffenden Verleger Mathias Hiller, der sich gut gelaunt zu einem Interview bereitfand:

Herr Hiller, klären Sie uns auf, wann und von wem wurde das berühmte Logo der S-Bahn entworfen?

Mathias Hiller: Der Gebrauchsgraphiker Fritz Rosen, der das Berliner Atelier Bernhard leitete, arbeitete von März bis Juli 1930 an Entwurf und Gestaltung des S-Zeichens für die Reichsbahndirektion Berlin. Am 13. November 1930 wurde das Zeichen offiziell zur Verwendung freigegeben. Alles in allem wurden Rosen dafür laut Aktenlage 800 Reichsmark ausbezahlt.

Was faszinierte Sie an Ihrer Recherche besonders?

Mathias Hiller: Meine beiden Mitstreiter Robert Meincke, Lokführer bei der DB, und Udo Dittfurth, Direktor des S-Bahn-Museums, und ich widmeten uns in jahrelanger, detailversessener Detektivarbeit den entsprechenden Akten aus Landes- und Bundesarchiv und – besonders spannend – den vielen, schwer zu entziffernden handschriftlichen Vermerken darin. Dieses Eintauchen in die historischen Quellen und Biographien ließ die Zeit der 1920er und -30er förmlich wieder aufleben.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie den Schöpfer des S-Bahn-Zeichens letztlich identifizieren konnten?

Mathias Hiller: Wir haben ihn endlich! Und wissen wie er aussieht. Mir war es wichtig, diesen Menschen zu würdigen. Fritz Rosen war ein begnadeter Grafiker, der neben dem S-Bahn-Zeichen unwahrscheinlich tolle Sachen gemacht hat, für die er heute leider gar nicht mehr bekannt ist, auch weil er 1933 vor den Nazis fliehen musste.

Fritz Rosen ist der Erfinder des S-Bahnlogos

Fritz Rosen - der Grafiker, der das S-Bahnlogo entworfen hat.
Fritz Rosen - der Grafiker, der das S-Bahnlogo entworfen hat.

Fritz Rosen, Sohn einer jüdischen Familie, arbeitet seit 1918 als Grafiker in Berlin und ab 1924 im Atelier des weltbekannten Professors für Reklamekunst, Lucian Bernhard, das er später auch leitet und nach Bernhards Emigration in die USA übernimmt. Nur ein Jahr später (1933) muss Rosen das Atelier aufgeben und ebenfalls vor den Nazis fliehen. Ab 1936 ist er in London als Werbegrafiker tätig, wo er bis zum Ruhestand bleibt. Er stirbt 1980 in Brighton.

Woher kommt Ihre Begeisterung für die Geschichte der Berliner S-Bahn?

Mathias Hiller: Ich bin großgeworden in Strausberg Stadt mit direktem Blick auf den S-Bahnsteig und hatte das Geschehen dort praktisch immer im Blick. In meiner Lehre bin ich dann immer mit der S-Bahn nach Berlin gependelt – mit der Zuggruppe Emil und dem guten Ludwig. Für mich ist die S-Bahn ein Verkehrsmittel von Menschen für Menschen gemacht und hat immer eine gesellschaftliche Komponente: wer fährt da mit, wer fährt wen, wie hat sich das entwickelt über die Jahrzehnte in der ganz besonderen Geschichte Berlins? Abgesehen davon interessierten mich grafische Sachen wie das allgegenwärtige S-Bahn-Zeichen.

Zum guten Schluss, wofür steht das „S“ in S-Bahn?

Mathias Hiller: Namenstechnisch war das ja ein ganz schönes Durcheinander in den Jahren 1929/1930. Oft wird angenommen, dass sich das „S“ aus Stadt-Schnellbahn ableite, was nicht völlig falsch ist, denn tatsächlich wurde kurzzeitig dieser Begriff verwendet (und „SS“ abgekürzt). Letztlich hatte die Hauptverwaltung allerdings schlicht etwas gegen die Bezeichnung Schnellbahn, da diese für kommunale Verkehrsmittel bereits in Gebrauch war. Also einigte man sich ab März 1930 auf die ohnehin bereits gängige „Stadtbahn“. Und damit auf die Abkürzung S-Bahn.

Herr Hiller, vielen Dank für das spannende Gespräch.

Historische Markenstrategie

Im amtlichen Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft („Die Reichsbahn“) heißt es zur Namensgebung und (heute würde man sagen) Markenstrategie am 24. Dezember 1930:

Notiz im amtlichen Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft („Die Reichsbahn“) zur Namensgebung und (heute würde man sagen) Markenstrategie am 24. Dezember 1930

Aus dem Grabstein wurde später die runde Form

Anfangs zeigte sich das Signet noch nicht auf dem bekannten runden, sondern auf „grabsteinförmigem“ Hintergrund, so wie es auch heute beispielsweise noch am Nordbahnhof zu sehen ist. Doch mit der Eröffnung der Nordsüd-S-Bahn am 28. Juli 1936 erschien das Logo erstmals in runder Form.

Damit sich die Fahrgäste besser orientieren und die Eingänge zu den unterirdischen Tunnelbahnhöfen schneller finden konnten, wurden hohe Pylonen aufgestellt, auf denen das von nun an runde markante S-Bahn-Signet thronte. An Bahnhöfen wie dem Potsdamer Platz war das von Leuchtstoffröhren illuminierte S vor dem klassischen Grün weithin sichtbar. Darunter gab ein Kasten mit gusseiserner Tannenberg-Frakturschrift Auskunft über den Stationsnamen.

S-Bahnlogo am Nordbahnhof
Das S-Bahnlogo am Nordbahnhof hat noch die "Grabstein"-Form

Die erfolgreiche Ausbreitung

Mit der Zeit übernahmen immer mehr Städte und Metropolregionen das markante Logo. Zunächst nach Hamburg exportiert (1934), fand es später seine flächendeckende, grundsätzlich unveränderte Verbreitung in ganz Deutschland. Was sich im Verlauf immer wieder änderte, waren die Schriftarten für die Stationen, die unter dem erfolgreichen Markenlogo zu lesen sind, nicht aber das selbstbewusst-geschwungene S auf grünem Grund.

Wieso auch – ein großes Wahrzeichen überdauert jede Mode.

Die S-Bahn schreibt Geschichte!

Sie möchten mehr über die Historie der S-Bahn erfahren? Der 1991 gegründete Verein Historische S-Bahn e.V. setzt sich für den Erhalt des traditionsreichen Fuhrparks ein. Das Berliner S-Bahn Museum bietet einen Überblick über die wechselvolle Berliner S-Bahn-Geschichte (Dauerausstellung derzeit geschlossen).

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